In den Gängen Deutschland 2018 – 125min.

In den Gängen

Filmkritik

Mikrokosmos Supermarkt

Julian Gerber
Filmkritik: Julian Gerber

In den Gängen von Thomas Stuber vereint DDR-Charme mit kauzigen Figuren und sorgt damit für eine melancholisch-schöne Grundstimmung. Ein überzeugender Franz Rogowski in der Rolle des stillen Einzelgängers und die spitzbübische Sandra Hüller tun ihr Übriges.

Als der stille Christian seine neue Stelle als Lagermitarbeiter in einem Grosssupermarkt antritt, beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt: Von nun an gehören der blaue Arbeitskittel, die langen Gänge und die häufig gestreuten Raucherpausen zu seinem Alltag. Diesen meistert er mit Hilfe seines Mentors Bruno, der den nicht allzu geschickten Christian unter seine Fittiche nimmt. Schon bald macht ihm jedoch die neckische Marion aus der Süsswarenabteilung Avancen, und der scheue Christian verliebt sich prompt in sie. Das einzige Problem: Marion ist bereits verheiratet.

In den Gängen ist ein Film, der voller Leben steckt, was sich schon in der Anfangsszene zeigt: Zu Walzerklängen bewegt sich das Stapler-Ballet geradezu anmutig durch die verlassenen Gänge des Grosshandels und erinnert uns zurück an die ikonische Szene aus Stanley Kubricks Science-Fiction-Meisterwerk 2001: A Space Odyssey. Das Potenzial, das der Mikrokosmos Supermarkt als Schauplatz in sich birgt, wird in der Folge von Regisseur Thomas Stuber voll ausgeschöpft. Wir werden mit kauzigen Gestalten, persönlichen Schicksalen und den kleinen Freuden, die der Arbeitsalltag bereithält, vertraut gemacht. Sei es das Naschen der Ausschussware oder die gemeinsame Zigarette auf der Toilette, der Film punktet durch seine Einfachheit. Dabei lässt In den Gängen die Bilder ihre eigene Sprache sprechen: Eine Sprache voller Melancholie, Wehmut aber auch Lebensfreude.

Was die Story anbelangt, bleibt der Film über die ganze Länge etwas vage, die persönlichen Hintergründe der Figuren werden zum Beispiel nur angeschnitten. Trotzdem schafft es der extrem stark aufspielende Franz Rogowski mit seiner Präsenz und ohne viele Worte zu gebrauchen, seiner Figur eine enorme Vielschichtigkeit zu verleihen – ihn umgibt eine Aura der Einsamkeit, wobei die neckische Marion, gespielt von Sandra Hüller, seine Sehnsucht weckt. Der Film verkommt jedoch nicht zur klassischen Liebesgeschichte, sondern konzentriert sich darauf, dieses Gefühl der Sehnsucht zu transportieren. In den Gängen erzählt von gestrandeten Existenzen, die das Schicksal zusammengebracht hat und die den Alltag mit all seinen kleinen Freuden und Tragödien gemeinsam durchstehen.

26.04.2018

4

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Kommentare

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selinaburri

vor 3 Monaten

Tolle Schauspieler. Sonst fand ich den Film Heavy Kost!


Yvo Wueest

vor 3 Monaten

Poesie der Gabelstapler

Wer regelmäßig ins Kino geht, kennt das Gefühl: ein guter Film dehnt die Zeit.
Manchmal öffnet sich dabei eine Welt, wie wir sie bisher nicht wahrgenommen haben.
So gibt es in diesem sehenswerten Kammerspiel über die Arbeitenden im Grossmarkt viel Raum für Nähe, Abstand und noch mehr Nähe. Genial, wie die Hauptdarsteller in dieser melancholischen Komödie -Heinzelmännchen ähnlich- durch die Gänge flitzen und eine berührende Geschichte über Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt erzählen.Mehr anzeigen


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