Destroyer USA 2018 – 123min.

Destroyer

Filmkritik

Schuld und Sühne

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Als man Nicole Kidman in Destroyer zum ersten Mal sieht, erkennt man sie fast nicht wieder. Hier spielt sie eine gebrochene, vom Leben durch die Mangel genommene Frau, die nur noch wenig antreibt. Die Liebe zu ihrer Tochter, der Wunsch nach Rache. Es ist eine darstellerische Tour de Force, die Kidman, welche für ihre Leistung für den Golden Globe nominiert wurde, abliefert. So gut war die Schauspielerin niemals zuvor.

Erin Bell ist eine heruntergekommene Trinkerin, der das Leid ins Gesicht geschrieben steht. Und sie ist Detective bei der Polizei von Los Angeles. Nun ermittelt sie in einem Mord, der mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun hat, als sie noch undercover arbeitete und ein Raubüberfall ihr Leben für alle Zeiten verändert hat. Erin ist auf Rache an dem Mann aus, der an allem Schuld hat. Während sie ihm jedoch nachspürt, muss sie sich auch ihrer eigenen Schuld stellen – und das beinhaltet nicht nur ihre sie ablehnende Tochter, sondern einfach alles.

Destroyer von Karyn Kusama ist ein typischer Slow-Burn. Ein Film, der sich Zeit lässt, mit Atmosphäre und Wirkungsweise den Zuschauer aber in den Bann zieht. Über zwei Stunden hinweg folgt man dieser zerstörten Frau, bei der man nie sicher sein kann, ob es das Leben war, das ihr übel mitspielte, oder ob es sich nicht um einen krassen Fall von Selbstbestrafung handelt. Die Geschichte entfaltet sich dabei langsam, aber eindringlich. Der Wechsel von gegenwärtiger Handlung zu den Ereignissen vor 17 Jahren ist fliessend. Mit jedem neuen Rückblick erfährt man auch etwas mehr über die Hauptfigur. Langsam ergibt sich ein Gesamtbild.

Nicht alles an diesem Film ist grossartig. Die Szenen mit Erins Tochter bringen die Geschichte häufig zum Stillstand. Einige Figuren bleiben deutlich unterentwickelt. Man lernt sie kaum kennen. Aber das ist vielleicht auch nicht notwendig, weil man ganz und gar auf Nicole Kidmans Figur fokussiert ist. Sie führt den Zuschauer durch diesen urbanen Albtraum, der manchmal mit kalt-dokumentarischer Distanz auf das Geschehen blickt, dann aber mit emotionaler Wucht zu überzeugen weiss.

Die Struktur des Films ist sehr schön anzusehen. Nicht nur, was den Wechsel von gegenwärtiger und vergangener Handlung betrifft, sondern auch die Auflösung am Ende, die direkt zum Anfang zurückführt und in einem Schlussbild gipfelt, das elegischer kaum sein könnte. Destroyer ist keine leichte Kino-Kost, aber ganz grosses Schauspielkino mit einer intensiv wirkenden Geschichte und einer noch prägnanteren Darstellung. Nicole Kidman übertrifft sich hier wirklich selbst.



26.03.2019

4

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Kommentare

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navj

vor 2 Tagen

Mit „Destroyer“ präsentiert Regisseurin Karyn Kusama einen intensiven, dramatischen und spannenden Thriller mit realistisch inszenierter Action, bei dem Hauptdarstellerin Nicole Kidman einmal mehr über sich hinauswächst. Ausgemergelt, fransige Haare, tiefen Augenhöhlen und spröde Lippen so sieht man, die sonst so elfenhafte, Nicole Kidman nie. Aber Drehbuch und Regie muss sich jedoch die Frage gefallen lassen, wie es die abgewrackte Erin (Nicole Kidman) immer wieder schafft im entscheidenden Moment 100 Prozent zu geben.Mehr anzeigen


Juergen

vor 7 Tagen

Ich habe schon sehr sehr lange keinen so schlechten Film gesehen. Da hat es einem zwischen drin schier den Magen umgedreht und nach der hälfte des Films musste ich einfach raus. Zusammengeschustert und ohne wirklich irgendwas von Handlung die Sinn ergibt. Aber eben für die übersättigte Apperklasses war es bestimmt ein Genuss. Der letzte so schlechte Film war Stolz und Vorurteil.Mehr anzeigen


flashgordon99

vor 8 Tagen

Die Vorfreude auf den Film war sehr gross aber bestimmt nicht wegen Nicole Kidman. Die Story fand ich interessant. Ernüchternd musste ich aber feststellen, dass man unglaublich viel Potential verschenkte. Gerade die Zeit von Kidman als Undercover wäre spannend gewesen im Detail zu sehen, weshalb sie plötzlich Drogen und Alkohol im Übermass konsumierte, worin die Beweggründe der kriminellen Band lag usw. So bleiben die anderen Figuren nur sehr oberflächlich gezeichnet und es fällt schwer, gewisse Handlungen nachzuvollziehen. Ich hätte mir mehr Hintergrundwissen von der gesamten Geschichte gewünscht. Der Zuschauer sieht dabei über eine Stunde Nicole Kidman als gebrochene, grummlige graue Eminenz zu, wie Sie in der Gegend herumstolpert mit der gleichen Mimik. Daher leider nur Mittelmass.Mehr anzeigen


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