25 Km/h Deutschland 2018 – 117min.

25 Km/h

Filmkritik

Eine entschleunigte Reise

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Zur Mitte des Lebens bewertet man gerne, wo man steht, was man sich einst gewünscht hat, und ob man mit dem, was man hat, zufrieden ist. Das ist oft die Ausgangslage für Geschichten, in denen es um eine Art Selbstfindung geht: Der Protagonist lässt zurück, was ihn bislang bremste und fängt ein neues Leben an. Im Kern geht es auch in 25 Km/h darum.

Nach 30 Jahren sehen sich die Brüder Georg und Christian wieder: auf der Beerdigung ihres Vaters. Obwohl Christian eigentlich am nächsten Tag schon wieder zurück zu seinem Job in Singapur müsste, beschliesst er, mit seinem Bruder etwas zu verwirklichen, was sie als Teenager immer tun wollten: Mit den Mofas von ihrem beschaulichen Örtchen im Schwarzwald bis zum Timmendorfer Strand an der Ostsee zu fahren und dort ins Meer zu pinkeln. Entlang der Strecke gibt es noch ein paar andere Herausforderungen und Begegnungen, denen sie sich stellen müssen.

Das wirklich Originelle an diesem Film ist eigentlich nur, dass zwei erwachsene Männer mit uralten Mofas quer durchs Land fahren. Ansonsten hat man ein eher typisches Erzählkonstrukt, bei dem es darum geht, dass entfremdete Menschen wieder zueinander finden. Das wird hier mit allerhand Esprit erzählt, weil es der Film versteht, die ernsthaften Momente mit Humor zu akzentuieren. Manchmal kommt der Umbruch blitzschnell, so wie es auch im echten Leben ist. Erst lacht man noch, dann schreit man sich an.

Die Erzählung ist naturbedingt episodisch, aber auch rasant, zumal man nicht nur das exzellente Hauptdarstellerduo, bestehend aus Lars Eidinger und Bjarne Mädel hat, sondern auch eine Riege namhafter Gaststars. Auf ihrer Reise begegnen die beiden Franka Potente, Jella Haase, Alexandra Maria Lara und Wotan Wilke Möhring. Das sind kleine Rollen, zumeist aber solche, die den Stoff bereichern, auch wenn es schon mal ins Absurde führen kann (Stichwort: Pfeil und Bogen).

Der Film ist dabei gefällig, weil er kleine, einfache Botschaften so verpackt, wie das wohl am besten sein muss – in einem Roadmovie. In solchen ging es noch nie darum, wohin die Protagonisten gehen, sondern was sie auf ihrer Reise erleben und wie sie sich entwickeln. Der Weg ist das Ziel. Das gilt auch für diesen Mofa-Trip, der für einen vergnüglichen Filmabend sorgt, an dessen Ende niemand mehr der ist, der er am Anfang war. Manchmal hilft die Entschleunigung – die sich bei einer Reisegeschwindigkeit von 25 km/h zwangsläufig ergibt – ungemein. Zumal es für die Protagonisten, aber auch die Zuschauer viel zu lachen gibt.

05.11.2018

3.5

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Kommentare

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Alice47

vor 6 Tagen

ein echt toller, witziger Film inkl. Musik und Aufnahmen. Humorvoll!


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