Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Deutschland 2017 – 111min.

Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl

Filmkritik

Von Raves, Klapsen und toten Meerschweinchen

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Nach „Herr Lehmann“ war „Magical Mystery“ der zweite Bestseller, den Sven Regener geschrieben hat. Einen luftigen Roman über die Raver-Szene vor mehr als 20 Jahren, garniert mit einer Prise Irrsinn, abgeschmeckt mit reichlich schrägen, fast schon surrealen Ideen. Regener hat auch gleich das Drehbuch verfasst, das mit einem exzellenten Ensemble umgesetzt wurde.

Mitte der 1990er Jahre: Karl Schmidt, der zu Zeiten der Wende in die Klapse kam, trifft in Hamburg zufällig einen alten Kumpel aus Berlin wieder. So erfährt er, dass seine alten Freunde alle zu Stars der sich entwickelnden Techno-Szene geworden sind. Einer von ihnen hat nun etwas ganz Großes vor: Eine Tour, die Magical-Mystery-Tour, die durchs ganze Land führen soll. Bis in die Morgenstunden auflegen, tagsüber schlafen, weiterfahren, wieder auflegen. Aber dazu braucht man noch einen nüchternen Fahrer, weswegen Karl Schmidt gerade recht kommt. Was folgt, ist ein irrer Roadtrip von Techno-Freaks, die von einem psychisch labilen Ex-Künstler betreut werden.

Magical Mystery ist die Verbeugung vor einem Lebensgefühl. Der Film verströmt auf seine ganz spezielle Art und Weise Nostalgie, erzählt er doch von einer Zeit, als Techno immer kommerzialisierter wurde, manche Künstler aber nicht aufs Geld schielten, sondern mit ihrer Musik etwas aussagen wollten. Im Film ist dabei der von Detlev Buck gespielte Ferdy die treibende Kraft. Eigentlich ein viel zu alter Raver, aber darum auch der ideale Mann, um den Hippie-Gedanken mit den dröhnenden Beats der Raves in Einklang zu bringen.

Der Film ist im Grunde ohne echte Handlung. Er erzählt viel mehr aus dem Leben, und dabei auch nicht aus dem normalen, sondern einem im Schnelldurchlauf. Denn wo Popstars Tourneen machen können, zehrt das bei DJs, die die ganze Nacht auflegen, nicht nur am Nervenkostüm, sondern auch an der Physis. Die wummernden Beats reißen mit, es ist aber der skurrile Humor, mit dem hier wirklich gepunktet wird.

Dabei hat man die Ansätze eines Dramas, da Karl Schmidt aus einer Wohneinrichtung für Drogenkranke kommt, aber raus und das Leben neu entdecken will. Er steht im Zentrum einer emotionalen Reise, von der nicht nur er, sondern auch der Zuschauer einigermaßen losgelöst ist. Ihm aber zuzusehen, ist faszinierend, weil Charly Hübner ihn so herrlich trocken spielt. Eine der besten Szene ist darum auch die Beerdigung eines Meerschweinchens, die nicht ganz so verläuft, wie man das vielleicht erwarten würde.

Magical Mystery ist ein so kurioser wie eigenartiger Film, dessen Humor sich vielleicht nicht jedem erschließt. Tut er’s aber, stellt er für den Zuschauer einen wilden Trip dar.

11.08.2017

4

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