Good Time USA 2017 – 101min.

Good Time

Filmkritik

24 Stunden im Leben eines Gauner-Losers

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Banküberfälle gehören im Kino zum täglich Brot, und nicht selten geht es dabei ziemlich cool zu und her. Ob nun in Bonnie & Clyde oder Point Break, Now You See Me oder zuletzt Baby Driver – fast immer sind die Gangster von einer derart unverschämten Lässigkeit, dass man gar nicht anders kann, als mit ihnen mitfiebern. Doch dass es auch anders, zeigt nun Robert Pattinson in Good Time von den Brüdern Joshua und Ben Safdie.

Als Connie ist der ehemalige Twilight-Star nämlich nun kein vor Selbstbewusstsein strotzender Verbrecher, der kaltschnäuzig sein Ding durchzieht. Sondern eher ein kleinkrimineller Loser, der mit seinen ungewaschenen Haaren und einem fürchterlichen Bärtchen schon optisch das Gegenteil von cool ist. Entsprechend läuft natürlich auch der Banküberfall alles andere als glatt, den Connie gemeinsam mit seinem geistig eingeschränkten Bruder Nick (Ben Safdie) durchziehen will. Und so dauert es nicht lange, bis Connie vor allem damit beschäftigt ist, seinen Bruder aus dem Knast bzw. später dem Krankenhaus zu befreien, was eine Nacht nach sich zieht, in der so gar nichts nach Plan verläuft.

Die Safdie-Brüder, deren bisherige Filme wie Daddy Longlegs oder Heaven Knows What in Europa nur von absoluten Insidern wahrgenommen wurden, zeigen in Good Time einmal mehr die weniger schönen Seiten ihrer Heimatstadt New York. Sie wandeln dabei auf den dreckigen Spuren jener Hardboiled-Thriller, die das amerikanische Kino vor allem in den Siebzigern häufig hervorgebracht hat. Die Mischung aus Realismus und Genre-Stilelementen verdichten die beiden in einer drängenden, atmosphärischen Inszenierung, die die chaotischen 24 Stunden im Leben des Kleinkriminellen Möchtegern-Gangster Connie gekonnt einfängt.

Der sehenswerte Umgang der Safdies mit Licht und Farben sowie der tolle Elektro-Score von Danial Lopatin alias Oneohtrix Point Never (zur Weltpremiere in Cannes mit einem Soundtrack-Preis bedacht) sorgen dafür, dass auch diese Bankraub-Geschichte letztlich eine gewisse Coolness umweht. Das heißt nicht, dass Good Time fehlerlos wäre, allen voran die Frauenfiguren sind arg undankbar und eindimensional geraten, ganz gleich ob mit Jennifer Jason Leigh oder Laiendarstellerin Taliah Webster besetzt. Aber Ex-Teenie-Star Pattinson ist auf so unerwartet überzeugende Weise abgefuckt, verschlagen und verzweifelt, dass er den Film ohnehin mehr oder weniger im Alleingang trägt.

25.10.2017

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Mehr Filmkritiken

Jumanji: The Next Level

Die Eiskönigin II

Last Christmas

Das perfekte Geheimnis