Du neben mir USA 2017 – 96min.

Everything, Everything

Filmkritik

Ein Leben im Glashaus

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Eine seltene Immunkrankheit zwingt die 18-jährige Maddie (Amandla Stenberg) zu einem Leben in der sterilen Blase ihres supermodernen Hauses, wo ihre überbehütende Mutter Pauline (Anika Noni Rose) eine der wenigen Bezugspersonen in ihrem Leben darstellt. Als eines Tages der gutaussehende Olly (Nick Robinson) im Haus nebenan einzieht, gerät Maddies Leben im Glashaus sprichwörtlich aus den Fugen.

Everything, Everything reiht sich in eine immer länger werdende Reihe von Romanzen mit todkranken jungen Leuten ein. Von Love Story in den 70er-Jahren bis zu den Versionen für Millennials wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter oder Ich und Earl und das Mädchen scheint Hollywood unsere nie-enden-wollende Lust, uns im Kino die Augen auszuweinen, befriedigen zu wollen.

Aber mal abgesehen vom offensichtlichen Drücken auf die Tränendrüsen erzählt die Regisseurin Stella Meghie mit ihrer Verfilmung des Romans von Nicola Yoon das Erwachen einer ersten, verbotenen Liebe mit einer originellen Bildsprache, die das normalerweise stinklangweilige hin- und her-Texten von Teenagern in die kreative Phantasiewelt der isolierten Kranken transportiert. Für sie ist Olly das fehlende Glied zur Aussenwelt. “Es ist der Unterschied, zwischen am Leben bleiben und das Leben erleben”, schwärmt sie ihrer Mutter vor, deren lähmende Angst, ihre Tochter zu verlieren, diese schrecklich isoliert.

Die Geschichte ist leider voller Löcher und Unwahrscheinlichkeiten. Wie soll eine 18-jährige, die noch nie ihr Haus verlassen hat und keinen Pass hat, die Sicherheitsvorkehrungen eines Flughafens überlisten? Aber, wie Olly es im Film so schön sagt: “Nachdenken ist überbewertet.” Wer es schafft, sich nicht auf die Handlungslücken zu konzentrieren und sich anstatt auf die Darstellung der beiden grossartigen Hauptdarsteller einzulassen, wird es nicht bereuen. Stenberg hat als todgeweihtes Tribut Rue in Die Tribute von Panem schon Jennifer Lawrence die Schau gestohlen und Nick Robinson hat mit Jurassic World und Die fünfte Welle ebenfalls einen beeindruckenden Lebenslauf für einen jungen Schauspieler. Eine der grössten Errungenschaften dieses Films ist es aber, wie selbstverständlich er uns eine Liebesbeziehung zwischen einem afro-amerikanischen Mädchen und einem weissen Jungen im Spannungsgeladenen Amerika von heute präsentiert, ohne deren Hautfarbe oder Rassenunterschiede auch nur einmal zu thematisieren. Wenigstens im Kino sind die Liebe und der Tod farbenblind.

21.06.2017

3

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Kommentare

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Lolipop

Leider kann ich für diesen Film keine gute Bewertung abgeben. Der Film hat "eigentlich" eine schwierige Story, diese wird aber total übersehen. Gespielt ist es solala, romantisch ist es solala, vorhersehbar ist es dafür extrem! Ich gebe hier nur 2 Sterne, weil ich mich so sehr auf diesen Film gefreut hatte. Das war leider gar nichts...

Du neben mir 2

Patrick

Wer bei "Ein gutes Halbes Jahr"dahin geschmolzen ist wird auch bei "Du neben mir"dahin schmelzen.Amandla Stenberg(bekannt aus Hunger Games Part.1)&Nick Robinson sind das schönste Film Tenny Traumpaar des Filmjahres 2017.Dafür gibts 3.1/2 Taschentücher von 5.

Du neben mir 3

lionheart_

Schöner, etwas kitschiger Film mit unerwartetem Ende.

Du neben mir 4

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