CH.FILM

Der Lauf des Flusses Schweiz 2017 – 88min.

Der Lauf des Flusses

Filmkritik

Die Kraft der Natur

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Naturdokumentationen gibt es wie Sand am Meer – oft beschäftigen sich Filmemacher in dieser Art Film mit einer Sache, die ihnen am Herzen liegt. Im Fall von Mélanie Pitteloud ist das wohl die Rhone: Sie widmet sich in Der Lauf des Flusses dem wasserreichsten Fluss Frankreichs, der im Kanton Wallis entspringt und unscheinbar während knapp 270 Kilometern durch die Schweiz fliesst.

Sie hat schon zwei Dammbauten hinter sich, wird seit rund 150 Jahren vom Mensch beherrscht, ist heute unscheinbarer denn je – und wird durch ihren geraden Verlauf auch „Wasser-Autobahn“ genannt. Die Rede ist von der Rhone, dem wasserreichsten Fluss Frankreichs, der im Wallis entspringt und den Kanton schon seit Jahrhunderten prägt. Diese hat eine lange Geschichte hinter sich: Nachdem der Fluss mittels Dämmen Ende des 19. Jahrhunderts zuerst in platzsparende Bahnen gelenkt wurde, um der Landwirtschaft Vortritt zu gewähren, und die Dämme nach Hochwassern in einem zweiten Anlauf restauriert worden sind, weil sie den Kräften des Gewässers nicht mehr standhalten konnten, befindet sich der Fluss zurzeit in der dritten Umbauphase – einer Renaturalisierung. Dies unter anderem, um die Fische zurück in den Fluss zu holen – zurzeit finden sich praktisch keine Laichplätze für die Tiere – sowie ein erneutes katastrophales Hochwasser wie im Jahr 1993 oder 2000 abzuwenden, das damals unter anderem für die Schliessung der Autobahn sorgte.

In der Doku und gleichzeitig ihrem Erstlingswerk Der Lauf des Flusses geht die Filmemacherin Mélanie Pitteloud dem Geheimnis der Rhone auf den Grund. Das tut sie, indem sie den Fluss und zum Teil optisch aussagekräftige Bilder von ihm zwar ins Zentrum stellt, gleichzeitig aber ganz viele Leute porträtiert, die in irgendeiner Weise in ihrem Alltag mit dem Gewässer zu tun haben: Es kommen Bauern aus der Region, ein Schriftsteller, Fischer, eine Hydrologin, Anwohner oder Arbeiter zu Wort, die den Fluss zurzeit am Verändern sind. So entstehen unterschiedliche Perspektiven auf dieses natürliche Wunder, und man erfährt als Zuschauer so einiges über die Rhone. Schade ist, dass der Film weder sein Informationspotential noch sein Aufklärungspotential vollends ausschöpft – so ist man nach dem Kinobesuch weder vollumfänglich informiert, noch geht einem die grundsätzlich spannende und doch sehr eindrückliche Geschichte dieses Stück Naturs wahnsinnig nahe – dafür fehlt ihm schlicht die Botschaft. Wer sich für die Natur und ihre Eigenheiten interessiert oder vielleicht sogar aus dieser Region stammt, für den ist Der Lauf des Flusses jedoch ein abwechslungsreicher Einblick in ein Stück Schweiz, das wohl so bald nicht aufhören wird, dem Wandel unterworfen zu sein – die Bauarbeiten zur 3. Flussänderung dauern voraussichtlich noch bis 2045.

14.05.2018

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