Comme des garçons Frankreich 2017 – 88min.

Comme des garçons

Filmkritik

Frauen ans runde Leder!

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Julien Hallard erzählt augenzwinkernd angereichert mit einem Schuss RomCom ein Kapitel der französischen Frauenfussballgeschichte.

Ja, ja, die Männer sind die Götter des Fussballs und solange sie gewinnen, ist die Welt in Ordnung. Doch wenn sie danebentreffen und absteigen, wie der in den Nachkriegsjahren glänzende Stade Reims in den 1960er-Jahren, dann geht diese unter: In Julien Hallards Spielfilmerstling datiert dieser Abstieg die Histoire simplifizierend im Sommer 1968. Obwohl angestellt beim Hausblatt des Vereins, erlaubt sich Jungreporter Paul Coutard (Max Boublil) im Interview mit dem Vereinspräsidenten einige spitzige Bemerkungen.

Zur Strafe wird Coutard, der noch viel lieber, als dass er über Sportereignisse berichtet, den Frauen nachschaut, dazu verdonnert, des Blattes jährliche Charity-Veranstaltung zu organisieren. Möglichst etwas Noch-Nie-Dagewesenes soll er vom Zaun brechen, etwas, das Gönner, Fans und Bevölkerung gleichermassen begeistert. Unterstützt wird er dabei von Chefsekretärin Emmanuelle Bruno (Vanessa Guide). Bruno nun aber ist, was Coutard selbstverständlich nicht weiss, nicht nur eine fanatische Stade Reims-Anhängerin, sondern auch die Tochter eines Ex-Profis, die mit ihrem Papa hinterm Haus regelmässig kickt. Nebenbei lässt sie in einer Sitzung eine Bemerkung betreffend Fussball spielenden Frauen fallen. Coutard greift die Idee auf, und will nun – obwohl das in Frankreich Ende der 1960er-Jahre nicht legal ist – den ersten Match zwischen Frauen auf die Beine stellen…

Comme des garçons zu Grunde liegt laut Regisseur Julien Hallard eine Zeitungsannonce aus dem Jahr 1968, in welcher ein Sportjournalist Teilnehmerinnen für einen Match zwischen Frauen suchte – wenn nicht wahr, ist das gut erfunden. Comme des garçons indes ist eine muntere Komödie, in deren Verlauf das Frauenfussball-Vorhaben bei den Verbandsobrigkeiten vorerst für rote Köpfe sorgt, in der Folge aber den gewünschten Effekt erzielt, und der ewige Schürzenjäger und die schüchterne Emanze, die sich anfänglich spinnefeind sind, immer mehr Gefallen aneinander finden. Als Fussballfilm taugt Comme des garçons wenig, und historisch belangt man ihn besser nicht. Die Parallelen zu Battle of the Sexes dürften nicht zufällig sein, und dass diese Geschichte, die im Kern weiblicher Emanzipation berichtet, weitgehend aus der Sicht eines chauvinistischen Schönlings erzählt wird, wirkt etwas befremdlich. Was nicht heisst, dass Comme des garçons keinen Spass macht, im Gegenteil. Der französische Humor ist, selbst da, wo er sexistisch wird, charmant neckisch. Und Vanessa Guide und Max Boublil kommen als sich ewig zankendes RomCom-Paar nicht schlecht.

11.07.2018

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