Anna Karenina - Wronskis Geschichte Russische Föderation 2017 – 98min.

Anna Karenina - Wronskis Geschichte

Filmkritik

Wo die Liebe hinfällt

Julian Gerber
Filmkritik: Julian Gerber

“Wo die Liebe hinfällt” ist ein schönes Sprichwort, das jedoch in den russischen Adelskreisen des 19. Jahrhunderts nur geringe Bedeutung genoss. In der Tolstoi-Verfilmung Anna Karenina – Wronskis Geschichte schwelgt Graf Wronski in der Vergangenheit und erzählt seine tragische Liebesgeschichte mit der unglücklich verheirateten Anna Karenina.

Die Geschichte setzt 30 Jahre nach dem Tod von Anna Karenina (Jelisaweta Bojarskaja) an: Wie es der Zufall will, treffen ihr ehemaliger Liebhaber, der verletzte Graf Wronski (Maxim Matwejew) und ihr Sohn Sergei Karenin in einem russischen Militärspital in der Mandschurei aufeinander. In einer Rückblende berichtet der Graf über die unglückliche Liebesgeschichte zwischen ihm und Anna: In der damaligen aristokratischen Gesellschaft gab es keinen Platz für die junge Liebe der beiden. Anna, die unglücklich mit dem hohen Beamten Alexei Karenin verheiratet war, sehnte eine Scheidung herbei. Gekränkt und auf seine gesellschaftliche Stellung bedacht, schlug Karenin ihr diesen Wunsch jedoch aus. Die Ächtung der Gesellschaft und die Ausweglosigkeit ihrer Situation trieb Anna schlussendlich in den Suizid.

Beim gesellschaftlichen Drama aus den Federn Tolstois handelt es sich um das wohl meist verfilmte Werk aller Zeiten – die russische Produktion Anna Karenina – Wronskis Geschichte überzeugt dabei vor allem durch stimmiges Set-Design und die historischen Kostüme, die dem Film die notwendige Authentizität verleihen. Die Geschichte kommt jedoch insgesamt zu episodenhaft daher – innige Liebe oder feurige Leidenschaft zwischen den beiden Protagonisten ist kaum zu spüren. So gibt es denn auch keine richtige Liebesgeschichte – denn die Liebe zwischen Anna und Wronski entwickelt sich nicht, sondern sie ist plötzlich einfach im abgeschlossenen Zustand da. Dem Zuschauer präsentiert sich eine Collage aus Momentaufnahmen, bei der für Anna Karenina-Neulinge nur schwer durchzublicken ist. Erfrischend ist die durchaus innovative Erzählperspektive, die den gebrochenen Wronski über Annnas tragisches Schicksal berichten lässt und einen differenzierten Blickwinkel auf die Geschichte liefert.

19.12.2017

3

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Kommentare

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louis

vor 9 Monaten

Ein sehr bewegender Film. Ich fand es vor allem faszinierend, die Emotionen auf dem schönen Gesicht der Hauptdarstellerin zu sehen. Ein Film voller Leidenschaft, jedoch nicht im Sinne von Kitsch sondern mit Tiefgang. Ich habe selten einen so berührenden Film gesehen.

Louis


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