Das Licht zwischen den Meeren Neuseeland, Grossbritannien, USA 2016 – 133min.

Das Licht zwischen den Meeren

Filmkritik

Ebbe und Flut

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

In The Light Between Oceans sagt sich der amerikanische Filmemacher Derek Cianfrance von der Bordstein-Umgebung seiner früheren Werke los, bleibt ihnen aber in der Analyse von Entscheidung und Konsequenz nahe.

Stellen Sie Sich vor, Sie lebten alleine auf einer Insel im Meer. Mit dem Ehemann oder der Ehefrau. Eines Tages schwemmt die Flut ein Ruderboot an. Darin: Ein toter Mann, und ein lebendiges Baby. Sie würden das Kind doch nicht behalten und die Leiche verscharren, oder? Beides aber tun Isabel (Alicia Vikander) und Tom Sherbourne (Michael Fassbender).

Skrupellos erscheint diese Tat. Widerwärtig. Im Kontext gesehen, greift das Verständnis dafür jedoch Raum. Der Kriegsveteran Tom nistet sich 1919 auf der Insel Janus ein, in der Hoffnung, als Leuchtturmwärter sein eigenes Feuer wieder zu entfachen. Auf seinen kurzen Abstechern aufs Festland trifft er unverhofft die Liebe seines Lebens: Isabel. Sie bilden ein wunderbares Paar, dem man alles Glück der Erde wünscht.

Fortan leben Tom und Isabel gemeinsam auf dem einsamen Eiland. Doch wird ihr Kinderwunsch auf tragische Weise nicht erfüllt. Da erscheint das gestrandete Baby wahrlich wie ein Geschenk Poseidons. Ein Geschenk, das Toms Gewissen noch schwerer belastet, als er der wahren Mutter (Rachel Weisz) begegnet.

Entschlüsse und ihre Konsequenzen: Nach The Place Beyond The Pines beschäftigt sich der amerikanische Filmemacher Derek Cianfrance nun abermals mit den weitreichenden Folgen unseres (unlauteren) Tuns. In dieser Romanadaption steigt Cianfrance aber gleich noch zwei Sprossen weiter die Pathos-Leiter hoch. Anstatt Jahrmarkts-Trash hat man hier stets das Meer in seiner Grandezza vor Augen, mit dem Krieg die Weltgeschichte im Rücken. Durch die saubere Bildsprache entfernt sich Cianfrance visuell klar von seinen spröd gefilmten Bordstein-Indie-Dramen.

Trotz dieser Ingredienzen schafft es der Regisseur, über weite Strecken eine erstaunlich kitschlose Geschichte zu erzählen. Die Dialoge geben sich nicht affektiert und gehen damit einher mit dem natürlichen Spiel von Vikander und Fassbender. Wer in dessen Gesicht schaut, scheint tatsächlich das Grauen des Krieges aus jeder feinen Falte lesen zu können.

Die Verhandlung von Schuld und Sühne, Vergebung und Bestrafung steuert das Schiff im letzten Drittel dann aber doch sehr melodramatisch in Richtung Tal der Tränen. Hier schafft es der Film nicht, einen Punkt zu setzen. Ja es scheint gar, er wolle sich vor dem endgültigen Ende drücken. Ein Brief hin, noch ein Brief zurück: The Light Between Oceans wandelt sich in seiner langgezogenen Laufzeit zum mehrlagigen Taschentuch-Drama, das hier alleine von seinem superben Cast vor dem Schiffbruch bewahrt wird.

14.09.2016

3

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Kommentare

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Patrick

vor 2 Jahren

So muß ein Melodram Kino Film sein,eine berührtente Story und ein Ende das kein Auge trocken lässt sowie Darsteller die Glaubhaft spielen das sieht sogar nach einem Oscar Film aus.


julianne

vor 2 Jahren

Wahnsinns story glaub Zuviel für ein leben breathtaking gespielt dazu hammer Soundtrack und amazing cinematographie!!!! mehr kann man von einem film nicht erwarten nach the place beyond the pines wieder so ein hammer drama vom derek cianfrance!!!!!


cathline2

vor 2 Jahren

Der Film hat mich in seinen Bann gezogen mit seinen ruhigen dahin fliessen und den wundervollen Aufnahmen. Seit langem hat mich kein Film mehr gedanklich noch so lange nach der Vorstellung beschäftigt


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