Maggie's Plan USA 2015 – 98min.

Filmkritik

Zufall schlägt Plan

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Rebecca Miller zeigt in ihrem neuen, von Woody Allen inspirierten Film Maggie's Plan, dass am Ende immer noch der Zufall über die besten Pläne siegt. Diese Erfahrung muss auch Greta Gerwig als neurotische New Yorker Dozentin machen.

Maggie (Greta Gerwig) arbeitet erfolgreich als Dozentin und wünscht sich zu ihrem Glück nur noch eins: ein Baby. Das Sperma soll ihr ein alter Bekannter zwecks künstlicher Befruchtung liefern, so Maggie's Plan. Doch dann lernt sie den Professor John (Ethan Hawke) kennen. Sie verlieben sich, zumal John ohnehin unglücklich in seiner Beziehung zur dominanten Georgette (Julianne Moore) ist. Drei Jahre später: Maggie und John wohnen zusammen und der Alltag hat Einzug gehalten. Maggie ist mit ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter des mittlerweile geborenen Kindes, nicht zufrieden und als sie dann auch noch Georgette kennenlernt, ändert das alles. Ein neuer Plan muss her.

Maggie's Plan wurde von der New Yorkerin Rebecca Miller inszeniert. Die Tochter von Arthur Miller lotet in ihren Filmen seit jeher die Komplexität der Liebe und zwischenmenschlicher Beziehungen aus. So z.B. in dem Drama The Ballad of Jack and Rose von 2005. Maggie's Plan wurde im Frühjahr 2015 in New York gedreht und mit einem Budget von nur zwei Millionen Dollar realisiert. Nachdem Miller bereits für Pippa Lee (2009) mit Julianne Moore zusammenarbeitete, besetzte sie sie auch in ihrem neuen Film.

Geschickt und immer wieder sehr unterhaltsam spielt Maggie's Plan mit den Ängsten und geplanten Lebensentwürfen von in Großstädten lebenden, selbstsicheren Frauen, die sich in ihren Dreißigern befinden. Wie Maggie, beruflich erfolgreich und attraktiv, deren biologische Uhr aber gnadenlos tickt. Greta Gerwig – bereits seit Jahren abonniert auf neurotische, schrullige Frauenfiguren – agiert als Maggie leidenschaftlich und authentisch. Diese hat genaue Vorstellungen davon, wie ihr Leben weiterverlaufen soll.

Doch da schlägt das Schicksal zu und genau das ist die (einfache aber wahre) Botschaft des Films: das Leben verläuft nicht nach irgendeinem Plan, stattdessen bestimmen Zufällen und Schicksale unser Dasein. Die Phase des Kennenlernens von Maggie und John schildert der Film oft so locker-leicht und rasant, dass Erinnerungen an Screwball-Klassiker wach werden. Nach drei Jahren jedoch scheint die Beziehung am Ende, wenn Maggie's Sehnsucht nach Familienglück mit dem Verlangen nach weiblicher Selbstverwirklichung kollidiert. Ein neuer Plan muss her, aber am Ende ist wieder der Zufall mächtiger.

Die einzige Schwäche des Films: ab und zu schwankt er zu unentschlossen zwischen Tragik und Komik und mit der großartigen Julianne Moore hat der Film quasi eine Art "Luxusproblem": diese spielt als herrische, grobschlächtige Georgette derart furios auf, dass sie Greta Gerwig ein ums andere Mal an die Wand spielt und sie ein wenig blass aussehen lässt.

14.09.2016

4

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Kommentare

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Janissli

vor 3 Jahren

Lustige und ziemlich abgedrehte Geschichte, die aber leider irgendwie zu wenig her gibt. Ziemlich langweilig.


Schlosstaube

vor 5 Jahren

Total langweilig und reine Zeitverschwendung !


8martin

vor 6 Jahren

Der Film eignet sich besonders gut für eine Diskussionsrunde. Es gibt einiges an ihm auszusetzen, hin und wieder Jokes zum kaputtlachen aber auch manches zum Stirnrunzeln.
Dabei ist der Plot an sich recht einfach: John (Ethan Hawke), ein Schriftsteller in der Midlife Crisis ist in seiner erkalteten Ehe mit Georgette (Julianne Moore, etwas zu alt neben John) gestresst. Er verliebt sich in Maggie (Greta Gerwig), die ein Kind will, aber nicht von ihm, eher noch eigenhändige Selbstbefruchtung oder vom Gurkenfabrikanten Guy (der irrste Typ am Set, Travis Fimmel). Maggie ist ein Kontrollfreak und ein Gutmensch noch dazu. Wir sehen im Film keine Hochzeit oder Scheidung. Die Handlung ist frei von Normen und Sanktionen und der Zuschauer muss sich nicht mit Auswirkungen von herkömmlichen Konventionen unnötig herumschlagen. Als Maggie feststellt, dass sich John nur selbst liebt und eigentlich noch recht unreif ist, hat sie einen Plan. (Das wäre dann ihr zweiter!) Der gelingt auch. Sie schiebt John und Georgette wieder aufeinander zu, die sich immer noch in einer Art Hass-Liebe begegnen. Inzwischen ist Maggie Mutter geworden. Die Beantwortung der Vaterfrage gibt es am Ende als Joke.
Es beginnt als Persiflage auf die heutige Hektik des Lebens, wie man sie kennt: Termine, Telefonanrufe, berufliche Anforderungen. In langen flotten Dialogen über wissenschaftliche Bereiche, die es gar nicht gibt oder aus dem Umfeld von Freunden kommt die Komik. Manches davon wird im zweiten Teil aufgehoben, wenn so blitzgescheite Typen urplötzlich recht dämlich aus der Wäsche schauen. Die Frauen so auch Georgette oder Maggie wirken unterm Strich gegen Ende unausgewogen. Die Männer bleiben ihrer Linie treu. Selbst John bleibt liebenswert. Summa summarum geht man am Ende weder mit einem lachenden noch mit einem weinenden Auge nach Hause. Grübel, grübel…Mehr anzeigen


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