CH.FILM

Late Shift Schweiz, Grossbritannien 2016 – 90min.

Late Shift

Filmkritik

Held an der Strippe

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Interaktives Kino! Entsprechend ausgerüstet im Kino auf dem Smartphone oder daheim, kann der Zuschauer den Handlungsverlauf in Late Shift mitbestimmen. Je nach Auswahl des Zuschauers bietet die interaktive Filmproduktion CtrlMovie sieben verschiedene Filmenden. Tobias Weber (Buch, Regie) inszenierte einen Thriller mit Variationen um einen Raub in London.

Ohne technische Hilfe und Ausrüstung geht's nicht, das heisst nicht ohne Smartphone. Die App-Version installiert im Kino oder privat (ab 10. März im App Store erhältlich), und schon kann's losgehen beim Thriller Late Shift. Schauplatz London. Matt (Joe Sowerbutts) übernimmt einen Gelegenheitsjob als Parkhauswächter und wird in ein mörderisches Komplott verwickelt. Eine chinesische Vase von Millionenwert soll versteigert werden. Die undurchsichtige Expertin May-Ling (Haruka Abe) hat beim Raub des begehrten historischen Erbstücks ebenso ihre Finger im Spiel wie kriminelle Handlanger und der unscheinbare Serviceboy Sébastian (Joel Basman). Wie auch immer sich der Held entscheidet und wohin er sich wendet, er ist eine Marionette an der Strippe der Zuschauer. Die Mehrheit im Kinosaal entscheidet per Knopfdruck: Vertraut Matt der zwielichtigen May-Ling oder wendet er sich ab, fährt er mit dem Lift auf- oder abwärts oder verlässt er ihn, insistiert er oder hält er sich passiv? Die Killer können gekillt werden oder auch nicht, die Vase in die richtigen oder falschen Hände geraten.

Produzent Baptiste Planche und sein Team haben vorgesorgt. Insgesamt stehen vier Stunden Film für die Interaktion zur Verfügung – bei 130 Entscheidungspunkten (Filmkosten: 1,5 Millionen Franken). Und so kann es sein – je nach Zuschauerwahl, dass Late Shift 85 oder nur 60 Minuten dauert. Sieben verschiedene «Endlösungen» können je nach Wendungen angepeilt und gespielt werden. Nur eine Möglichkeit wurde ausgeklammert: Es gibt kein «Game over». Ein Ende gut oder auch nicht, aber kein Abbruch.

Das Schweizer Startup-Unternehmen CtrlMovie hat ein Pilotprojekt in Koproduktion mit der englischen Late Shift Production zum ersten interaktiven Kinofilm weiterentwickelt. Baptiste Planche, Kurban Kassam und CrtlMovie haben den ersten interaktiven Thriller realisiert, Tobias Weber schrieb die diversen Storypartikel und führte Regie. Der Zuschauer ist eingeladen, Entscheidungsträger zu werden. "Im besten Fall lernt der Zuschauer etwas über sich selbst, wenn er einen Film schaut. Er wird berührt, zu Gedanken inspiriert – herausgefordert in seinem Fühlen und Denken", meint Weber. "Das ist das Kino, das ich mag, und das ist die Art Film, die ich machen möchte."

Beim interaktiven Filmformat CtrlMovie führt der Zuschauer quasi selber Regie. Probieren geht über Studieren. Im Kino muss er sich freilich einer Mehrheit beugen, die er ja mitträgt. Vorhang auf für eine Schweizer Weltneuheit!

15.08.2016

4

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Kommentare

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alcapone006

vor 3 Jahren

Finde Film und Konzept genial. Habe bisher schon fünf verschiedene Enden des Films gesehen. Würde gerne mehr solcher Filme sehen.


Beat.Tödtli

vor 3 Jahren

Ein Film nur für iPhone-Besitzer unterstütze ich nicht!


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