The Imitation Game Grossbritannien, USA 2014 – 114min.

The Imitation Game

Filmkritik

Ein vergessener Held

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Während Brad Pitt derzeit in Fury als Nazi-Jäger mit einem Panzer über die Leinwände donnert, richtet der Norweger Morten Tyldum (Headhunters) einen weniger martialischen Blick auf den Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt seines Biopics steht der britische Mathematiker Alan Turing, der an der Entschlüsselung des deutschen Enigma-Codes entscheidend beteiligt war und zu den Pionieren der Informatik zählt.

Im Jahr 1939, kurz nach Abschluss seines Studiums, wendet sich Alan Turing (Benedict Cumberbatch) an die militärische Dienststelle in Bletchley Park, die an der Entschlüsselung des deutschen Nachrichtenverkehrs arbeitet. Obwohl das Bewerbungsgespräch alles andere als positiv verläuft, wird der geniale Wissenschaftler kurz darauf mit einem streng geheimen Auftrag betraut: Gemeinsam mit einem Team aus Mathematikern, Kryptoanalytikern und Linguisten soll er die legendäre Enigma-Maschine knacken. Was sich schon bald als Herkulesaufgabe erweist, da Turings eigenwilliges Auftreten seine Mitstreiter zusehends brüskiert. Einzig die junge Mathematikstudentin Joan Clarke (Keira Knightley) scheint den Außenseiter zu verstehen und greift ihm unter die Arme – so gut es ihr in einer von Männern dominierten Welt möglich ist.

The Imitation Game handelt vom Krieg und seinen Erfordernissen, lässt das Kampfgeschehen aber meistens außen vor. Nicht zuletzt, weil das recht überschaubare Budget – kolportiert werden rund 15 Millionen Dollar – den Machern keine allzu großen Sprünge erlaubte. Noch entscheidender ist allerdings, dass Regisseur Morten Tyldum und Drehbuchautor Graham Moore, dessen Skript auf der Turing-Biografie von Andrew Hodges basiert, vorwiegend an einer detailreichen Charakterzeichnung interessiert sind.

Dreh- und Angelpunkt des Films ist der mit Benedict Cumberbatch nahezu perfekt besetzte Entschlüsselungskünstler, vor dem alle Nebenfiguren zwangsläufig verblassen. Während das fast autistisch anmutende Verhalten des Protagonisten wiederholt für überraschend komische Momente sorgt, beleuchten zwei zusätzliche Erzählstränge – einer spielt nach dem Zweiten Weltkrieg, der andere während Turings Schulzeit – seine tragische Zerrissenheit. Immerhin ging der schwule Mathematiker letztlich an den Repressalien zugrunde, denen Homosexuelle damals juristisch ausgeliefert waren.

Auch wenn Turings Sexualität manchmal etwas verdruckst thematisiert wird und die Dramaturgie kleinere Dellen aufweist, erwartet den Zuschauer ein kraftvolles, freilich zugespitztes Porträt, das eine schier unglaubliche Lebensgeschichte erzählt und sich bedingungslos für Toleranz starkmacht.

15.01.2015

4

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Kommentare

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dulik

Tolle Schauspieler, schönes Szenenbild und eine einfach gehaltene, aber dennoch stets spannende Geschichte, die obendrein auch noch auf wahren Ereignissen beruht.
Ein sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Filmgenuss, dem es aber etwas an der nötigen Tiefe fehlt, damit er auch im Nachhinein noch in Erinnerung bleibt.
Dennoch absolut empfehlenswert!
8/10

The Imitation Game 4

booster23

Der Film ist wirklich gut!! hervorragende Schauspieler!!
Und nach einer wahren Geschichte. In der Welt von heute werden die Briten, nicht so gesehen wie Sie es verdient hätten. Die Entwicklung und der Bau dieser "Maschine" war eine unglaublich Leistung!
Für mich ist das nicht ein Drama oder ein Kriegsfilm... Sicher wird wohl nicht alles zu 100% so erzählt wie es sich wirklich zugetragen hat. Aber es ist ein einblick in diese Zeit.
Und gibt einem einen die Gelegenheit, auch an all die zu denken, die sozusagen zu hause, Ihren beitrat geleistet haben. Allzu oft sieht man die "Helden" mit Ihren Stens, Thompson's, u.s.w. Kämpfen.
Doch da waren auch, tausende Ingenieure, Arbeiter und nicht zu letzt, Arbeiterinnen. Die für Nachschub und Entwicklungen sorgen mussten.

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The Imitation Game 5

tommi_schlup

Das Leben und Werk des Alan Turing und sein Einfluss auf unsere heutige Welt sind unbestritten von hoher Bedeutung. Einen abendfüllenden Film daraus zu machen, ist allerdings eine Mammutaufgabe, an der Morten Tyldum leider teilweise scheitert. Das liegt wohl auch daran, das er sich, im Gegensatz z. B. zu James Marsh in DIE ENTDECKUNG DER UNENDLICHKEIT, nicht wirklich einig wird, auf was er sich konzentrieren will. Auf die prägende Jugend, die Entschlüsselung der Enigma oder die Verurteilung wegen Homosexualität und den Selbstmord Turings. Die Zeitsprünge sollen wohl eine Art Spannung erzeugen, schaffen aber durch teils unvollendete und niemals wirklich tiefreichende Handlungsstränge eher das Gegenteil.

Dazu frei erfunde Geschichten, wie die mit dem sowjetischem Spion oder den Angehörigen auf dem Schiff eines Konvois sind unnötig und lenken vom eigentlichem Drama ab.

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