Super-Hypochonder Belgien, Frankreich 2014 – 107min.

Filmkritik

Keimfreie Frau mit Humor gesucht

Filmkritik: Andrea Wildt

Dany Boon in Bestform: Nach Rien à déclarer und Bienvenu chez les Ch'tis meldet sich Dany Boon als neurotischer Schwarzseher auf der Kinoleinwand zurück.

Mit 39 Jahren teilt Romain sein Pariser Apartment allein mit unzähligen Phobien um seine Gesundheit und Tuben, Schachteln, Röhrchen voller Medikamente. Dem Super-Hypochonder schaudert es vor jeglicher körperlichen Berührung, hinter der er unzählige ansteckende Krankheiten fürchtet. Als einziger Freund verbleibt ihm sein Hausarzt Dimitri Zvenska (Kad Merad), der ihn verzweifelt aus seinem Leben fernzuhalten versucht. Nachdem Romain beim Neujahrskuss auf Dimitris Party sämtliche Gäste zusammenschlug, hat auch dieser die Nase voll. Aber seinen besten Kunden wird man nicht so einfach los. Da hilft nur die Therapie "Wir suchen dir eine Frau fürs Leben".

So flirtet sich Boon als Romain durch die erste Hälfte des Films. Mal als Aufschneider, mal als Macho kämpft er sich durch die bittere Versuchung, eine keimfreie Frau mit Humor zu finden. Eines Tages landet Romain im Auffanglager für Flüchtlinge aus dem Balkan. Dort trifft er auf Anna (Alice Pol), die ihn für einen berühmten Rebellenführer aus Tadschikistan hält und ihn in ihre Obhut nimmt. Bald funkt es zwischen den beiden. Spätestens ab da ist die Geschichte nicht mehr keimfrei.

Der Film beginnt in Frankreich als unterhaltsame Komödie, im zweiten Teil gerät der Film hemmungslos zur Parodie. Spätestens als Romain – nun verkannter Rebellenführer – im tadschikischen Knast dem Tod geweiht mit Ratten und Kakerlaken Selbstgespräche führt, gibt der klare Menschenverstand auf. Dass die absurde Geschichte munter weiter funktioniert, ist vor allem der ausgezeichneten Schauspielleistung zu verdanken. Dany Boon voran gibt mit seinen aparten Gesichtsverrenkungen eine einnehmende Karikatur eines modernen Single-Mannes in den besten Jahren. Alice Pol verzaubert als Anna durch ihre "herrische" Naivität, mit der sie die Welt ändern will und dabei der Sinnestäuschung Romain verfällt. Kad Merat gibt den seriösen Gegenpart mit stoischer Verweigerung, der im Clash der Freaks auf Mittelmass und Anstand pocht.

Zu guter Letzt gelingt der Film auch deshalb, weil er auf vertrackte und humorvolle Weise auf unsere Gesellschaft verweist. Die Angst vor der Krankheit ist auch die Angst vor dem Anderen. Diese kleine Gesellschaftskritik jubelt uns Superchondriaque ganz nebenbei zwischen reichlichen Lachern unten.

15.04.2014

4

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Kommentare

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hyper80

vor 6 Jahren

Ein ziemlich witziger Streifen von Dany Boon mit einigen wirklich tollen Szenen. Leider verfehlt er aber auch öfters das Ziel. Gegen Ende ist die Story dann doch zu viel des Guten und völlig übertrieben, was nicht nötig gewesen wäre. Kein Vergleich zu "Bienvenue chez les Ch'tis" aber weil ich Dany Boon als Regisseur sowie Schauspieler sehr mag, reicht es trotzdem für 3 Sterne...Mehr anzeigen


mailo

vor 6 Jahren

Der Film ist eine nette Unterhaltung aber nicht der Reisser den man erwartet.
Lustig ja aber nur stellenweise, zudem eine etwas zu flache Story, da wäre sicher mehr drin gelegen!


Urs23

vor 6 Jahren

Sicher keine hochstehende Filmkunst, aber wir haben beinahe 2 Stunden Tränen gelacht und es war somit ein sehr kurzweiliger, lustiger Kinoabend. Danny Boons Grimassen sind einfach grossartig.


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