Everest Island, Grossbritannien, USA 2015 – 121min.

Filmkritik

Mensch gegen Natur

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Im Mai 1996 wurden mehrere kommerzielle Gipfelexpeditionen auf dem Mount Everest von einem Wetterumschwung überrascht, der das bis dahin schlimmste Unglück in der Geschichte des Berggiganten auslöste. Eben diese Katastrophe steht im Mittelpunkt von Baltasar Kormákurs neuestem Kinowerk, das imposante Landschaftsaufnahmen zu bieten hat, die kontrovers diskutierten Ereignisse aber etwas zu glatt nachzeichnet.

Im Frühjahr 1996 begrüßt der erfahrene Bergführer Rob Hall (Jason Clarke) im Namen seines Unternehmens "Adventure Consultants" eine Gruppe von Amateurbergsteigern, die ein kleines Vermögen ausgegeben haben, um einmal den Mount Everest zu erklimmen. Mehrere Wochen lang trainieren die Teilnehmer, zu denen auch der Journalist Jon Krakauer (Michael Kelly), der Postbote Doug Hansen (John Hawkes) und der Pathologe Beck Weathers (Josh Brolin) gehören, den Aufstieg und versuchen, so gut es eben geht, sich an die menschenfeindlichen Bedingungen zu gewöhnen. Da in diesem Jahr besonders viele Expeditionen den Berg besteigen wollen und Staus an engen Passagen drohen, schließt sich Halls Team mit der Truppe seines Konkurrenten Scott Fischer (Jake Gyllenhaal) zusammen. Eine Entscheidung, die das baldige Unglück jedoch nicht verhindern kann.

Sein Interesse an Unglücksszenarien, die auf Tatsachen beruhen, demonstrierte Baltasar Kormákur bereits mit dem isländischen Überlebensdrama The Deep, das 2013 für den besten fremdsprachigen Film bei den Oscars vorgeschlagen wurde. Im Fall von Everest konnte der Regisseur auf diverse Erlebnisberichte zurückgreifen, wobei vor allem Jon Krakauers Bestseller "Into Thin Air" als Inspirationsquelle für das Drehbuch gedient haben dürfte.

Ebenso wie die Figuren wird auch der Zuschauer langsam an die unwirtliche Bergumgebung herangeführt. Gemeinsam mit Rob Hall und Co begeben wir uns zunächst auf immer neue Trainingstouren, die Kormákur ohne große Schnörkel beschreibt. Schon hier trumpfen die Macher mit majestätischen Panoramabildern auf – gedreht wurde nicht nur am Mount Everest, sondern auch in den Alpen – und vermitteln eine deutliche Ahnung davon, welche Strapazen die Natur dem Menschen in eisiger Höhe auferlegt.

Bricht das Unglück schließlich über die Expeditionsteilnehmer herein, entfaltet Everest trotz melodramatischer Überspitzungen und schablonenhafter Figuren einen wirkungsvollen Sog, der erst im etwas überhastet abgewickelten Finale ins Stocken gerät. Was allerdings weniger stört als die Tatsache, dass der Film spannende Aspekte wie den menschlichen Größenwahn und den ausufernden Bergtourismus nur beiläufig behandelt.

14.09.2015

3

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Kommentare

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mfrukacz

vor 5 Jahren

I read some books about that event and was disappointed by film, mainly due to high expectations. Film is actually good, with great CGI, cinematography and performance of some actors, but this american-hero and tearful approach was unwatchable in some parts...


Benji72

vor 5 Jahren

Endlich einmal ein Film wo das 3D richtig beeindruckend ist! Die unglaublichen Strapazen der Bergsteiger sind im Kinosaal greifbar! Ein packender Film der unter die Haut geht! Tolle Bilder!


ingrid83

vor 5 Jahren

Der Film ist spannend von Anfang bis Ende! Zusätzlich sehr emotional und mit tollen Bildern!


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