Mary's Land Spanien 2013 – 116min.

Filmkritik

Glaubenssache

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

Ein Agent reist als Teufels Advokat um die Welt. Seine Mission: Christen zum Glauben befragen.

James Bond hat die Welt immer wieder mal vor einer Diktatur oder gar dem Untergang bewahrt. Da sollte doch ein Superagent auch imstande sein, die Fragen aller Fragen zu beantworten, die da heisst: Gibt es Gott? Als dieser Agent – und zugleich auch Regisseur des Films – nimmt sich Juan Manuel Cotelo der Mission des Glaubens an. Im feinen Zwirn bereist er dafür die Welt und spricht mit Leuten, die gläubig sind – gläubig deshalb, weil sie die Mutter Gottes gesehen, berührt, ihre Stimme vernommen haben.

Der christliche Glauben ist zweifellos ein erstaunliches Phänomen. So ist dies auch der Film Mary’s Land selbst. Entgegen der gängigen Verwertungsgesetze schafft es dieses Werk, das Fiktion und Dokumentation miteinander vermengt, nach erst vier Jahren in die Schweiz. Zuvor war der Film sozusagen „on tour“: Als spanischer Grosserfolg pilgerte er insgesamt durch 27 Länder und lockte Tausende von Zuschauern in die Kinos. Da muss also etwas dran sein an diesem Film, der an anderer Stelle als der “wohl christlichste Film des Jahrzehnts“ bezeichnet wurde.

Tatsächlich darf man sich darunter keinen religionskritischen Exkurs à la Bill Mahers Religulous vorstellen. Mag Cotelo seinen Agenten als selbsternannten Teufels Advokat vorstellen, so sind seine Fragen durchwegs pseudokritischer Natur: Schlussendlich geht es hier darum, die befragten Menschen erzählen zu lassen, wie sie zu Gott fanden und was der Glauben ihnen gibt. Es sind dies die (ehemaligen) Suchenden, die bereits im Vorspann mittels Widmung adressiert werden: Die von Krankheit verzweifelten, die von innerer Leere heimgesuchten. Menschen in Krisen, die sich Unterstützung und Orientierung erhoffen und diese in der Übernatürlichkeit finden.

Der eigentliche Fluchtpunkt des Films ist das bosnische Dorf Medjugorje, das seit den frühen 1980er-Jahren für seine Marienerscheinungen bekannt ist. Jährlich reisen rund 2,5 Millionen Menschen dorthin. Folglich zeigen die Aufnahmen zahllose Betende, man vernimmt von Heilungen und Erleuchtungen. Erst nach den Endcredits hält Cotelo die Anmerkung für angebracht, dass die Untersuchungen des Vatikans über die Marienerscheinungen noch nicht abgeschlossen sind - Medjugorje ist als Wallfahrtsort von der römisch-katholischen Kirche nicht anerkannt.

Solche Widersprüchlichkeiten befeuern die Skeptiker. Den Gläubigen werden sie egal sein: Dieser Film wird sie in ihrem Glauben bestärken. Und die zwischendrin? Die werden sensibilisiert durch die ausführlichen Aussagen, welche die gängigen Elemente des Christentums beinhalten. Oder sie schütteln ab dem quasi-zeitgemässen Agentenstory-Layout und den hanebüchenen Bibelszenen den Kopf.

19.09.2017

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Kommentare

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elin_gold

vor 2 Jahren

Mir hat der Film nicht gefallen. Fängt wie ein miserabler möchtegern James-Bond Film an und soll dann ein Dokumentarfilm sein? Für mich auch nicht ganz klar ob die Befragten wirklich echt sind oder nur schlechte Schauspieler??
Ich bin enttäuscht von dem Film. Fand diesen langweilig.


fabian_bearth

vor 2 Jahren

One of the best film forever. Thank you Juan.


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