Fliegende Liebende Spanien 2013 – 90min.

Filmkritik

Männer und andere Katastrohen

Filmkritik: Andrea Wildt

Pedro Almodóvar versetzt in seiner neuen Komödie die Flugpassagiere der First Class in feuchtfröhliche Ausnahmezustände. Trotz seines populären Mix aus schrillen Figuren, phantastischen Geschichten, knalligen Farben und einem edlen Soundtrack hebt der Film bis zur schlussendlichen Notlandung nicht so recht ab.

Pedro Almodóvar hat eine Katastrophen-Komödie gedreht. An Bord der First Class eines Passagierflugzeugs nach Mexiko: vier Männer, drei Frauen und drei schwule Flugbegleiter. Die weiblichen Kolleginnen sowie die Passagiere der zweiten Klasse wurden mit einem Schlafmittel still gestellt und mimen bis zum Ende des Films träumende Statisten. Aufgrund eines technischen Problems ersuchen die Piloten eine Notlandung über Spanien, aber infolge mehrerer Sport- und Politikevents sind fast alle Landebahnen gesperrt. So zieht der Flieger Kreise in den Lüften, während die muntere Drillings-Crew die Panik der First-Class-Passagiere mit Alkohol, Meskalin und Tanzeinlagen einzudämmen sucht.

Dem Zweck der Komödie, die Erheiterung, folgend setzt Almodóvar in Los Amantes Pasajeros neben schrillen Figuren und wendigen Dialogen auf die übertriebene Darstellung menschlicher Schwächen. Bei den Frauen geschieht dies vor allem durch skurrile Stereotypen. Da ist die pummlige, noch immer Jungfrau (Lola Dueñas) mit seherischen Kräften, die an Bord ihren ersten Geschlechtsverkehr sucht und ihn schliesslich mit einem schlafenden Jüngling aus dem Zweite-Klasse-Abteil findet. Dort treffen wir die in die Jahre gekommene, hysterische Femme fatale (Cecilia Roth) mit weichem Herz sowie die blonde Sexbombe, welche von ihrem frisch Angetrauten mit Pillen in einem Dauer-Koma-Zuweilen-Traum-Bumsanfall-Zustand gehalten wird.

Bei den Männern dominiert neben dem reuevollen Geschäftsmann, dem sentimentalen Macho, dem unreifen Jungvermählten und dem Herzensbrecher empfindsamer Frauen, vor allem der homosexuelle Mann inklusive den Männern, die sich ihre sexuellen Vorlieben zum gleichen Geschlecht noch nicht eingestehen. Der Figurenkonstellation entsprechend drehen sich die Dialoge dann auch um so existentielle Fragen wie, wer besser einen bläst: Frau oder Mann. Oder welchen Politiker Madame Femme fatale während ihrer Sadomaso-Stunden denn so auf ihre Videobänder gebannt hat... Das Ganze wird eingerahmt von allerlei reuevollen Telefonaten gen Erde, die aufgrund eines weiteren technischen Problems für alle Insassen mitzuhören sind, sowie den feuchtfröhlichen Umtrieben der Flugzeugcrew, die ihre Alkohol- und Sexsehnsüchte permanent in Wort und Tat bekunden.

Für Pedro Almodóvar war solch eine skurrile, klischeevolle Story nie ein Hindernis für phantastisch morallose Filme. In Los Amantes Pasajeros jedoch strauchelt der delikate Balanceakt zwischen Tragik und Komödie gehörig und anstatt zu unterhalten oder zu bewegen, kippt die Geschichte auf seichtes Sitcom-Niveau. Die aus dem Sexrausch über die Notrutschen in einem Schaumbad endende Katastrophe entpuppt sich als Erlösung für die Figuren. Für den Zuschauer allerdings auch.

15.04.2013

3

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Kommentare

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laila71

vor 7 Jahren

Der blödste und primitivste Film den ich je gesehen habe. Ich bin nicht prüde aber der Film ist nicht mal lustig...


pedro

vor 7 Jahren

Leider keiner von Almodovars besten Filmen.


spiggy

vor 7 Jahren

Die Darsteller reissen die etwas langweilige Story raus.


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