Exit Marrakesch Deutschland 2013 – 123min.

Filmkritik

Familienkrach im Wüstensand

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Nachdem Caroline Link 2003 für Nirgendwo in Afrika den Auslands-Oscar entgegennehmen durfte, kehrt sie nun mit einer schön bebilderten, stellenweise jedoch allzu plakativen Vater-Sohn-Geschichte auf den afrikanischen Kontinent zurück.

Der Internatsschüler Ben (Samuel Schneider) ist alles andere als begeistert, dass er die Sommerferien bei seinem Vater Heinrich (Ulrich Tukur) verbringen soll, der seit einiger Zeit von seiner Mutter getrennt lebt und gerade in Marokko ein neues Theaterstück inszeniert. Während der eigenwillige Regisseur sein Hotel kaum verlässt, möchte der Junge das fremde Land erkunden. Bei einem seiner Streifzüge durch Marrakesch lernt er die Prostituierte Karima (Hafsia Herzi) kennen und verliebt sich in sie. Als er ihr in das entlegene Dorf ihrer Familie folgt und tagelang nicht auf Anrufe reagiert, macht sich Heinrich auf die Suche nach seinem Sohn.

Wie im Presseheft nachzulesen ist, stand zu Beginn von Exit Marrakech eine Art Blankoscheck. Im Anschluss an eine gemeinsame Reise nach Marokko erteilte Produzent Peter Herrmann Caroline Link freie Hand bei der Entwicklung einer zu diesem Land passenden Geschichte. Auch wenn der Film immer wieder erkennen lässt, dass die Handlung ganz bewusst auf die marokkanischen Gegebenheiten abgestimmt wurde, verkommen manche Bilder doch zur bloßen exotischen Kulisse. Wunderschöne Naturaufnahmen wechseln sich mit teilweise vereinfachenden kulturellen Darstellungen ab. Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass die zwischen Ben und Karima angedeutete Liebesbeziehung keineswegs romantisch verklärt wird.

Bens Ausbruch aus Heinrichs intellektuell-verkopfter Welt drängt den Konflikt zwischen Vater und Sohn kurzzeitig in den Hintergrund, kann aber nicht über dessen zentrale Bedeutung für das Gesamtkonstrukt hinwegtäuschen. Bereits sehr früh unterstreicht die Regisseurin anhand von Heinrichs desinteressierter Haltung, wie weit die Entfremdung vorangeschritten ist. Der mit seiner künstlerischen Verwirklichung beschäftigte Mann scheint nur rudimentär über die Zuckerkrankheit seines Sohnes Bescheid zu wissen und findet wenig aufmunternde Worte für dessen kreative Schreibversuche.

Neben diesen dialogischen Hinweisen ist auch auf bildlicher Ebene eine Distanzierung der Protagonisten zu beobachten. Nach Bens eigenmächtiger Erkundung der ihm fremden Umgebung konkretisiert sich die Auseinandersetzung mit seinem Vater in der zweiten Filmhälfte und nimmt nun fast schon kammerspielartige Züge an. Von überzeugenden Darstellerleistungen begleitet, läuft Exit Marrakech leider auf ein dramaturgisch zu bequem konstruiertes Ende hinaus.

15.11.2013

3

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Kommentare

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Rockabilly_ZH

vor 6 Jahren

War letztes Jahr in Marokko - und daher musste ich mir diesen Film einfach ansehen. Leider hat mich der Film nicht überzeugt (obwohl die Aufnahmen sehr gut waren), aber die Story einfach mies.


amosch

vor 6 Jahren

guter film, tolle aufnahmen, schauspieler und gut erzählt.


Strudelwurm

vor 6 Jahren

Marokko als Kulisse hat mir sehr gut gefallen. Vater und Sohn Beziehung, das war ok, wenn jemanden das gefällt, dann ein muss.


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