Diana Belgien, Frankreich, Schweden, Grossbritannien, USA 2013 – 113min.

Filmkritik

Herzschmerzen

Michael Lang
Filmkritik: Michael Lang

Die Lebenstragödie der Princess of Wales, Diana (1961-97), ist wieder Filmthema. Mit Naomi Watts spielt jetzt ein Hollywoodstar die Ex-Gattin von Prince Charles, dem Thronfolger des Vereinigten Königreichs Grossbritannien. Damit verlässt die süffige Saga wenigstens besetzungsmässig die Seichtigkeit von TV-Produktionen, kommt aber filmisch nie über das Niveau einer Seifenoper hinaus.

Basierend auf dem Buch "Diana: Her Last Love" von Kate Snell werden Ereignisse aus der Zeit von 1995 bis zum 31. August 1997 geschildert. Damals kam die längst von ihrem Prinzgemahl getrennte einstige Kronprinzessin Diana mit ihrem Lover, dem ägyptischen Geschäftsmann Dodi Al-Fayed, bei einem mysteriösen Autounfall in Paris zu Tode. Im Fokus steht aber nicht diese Affäre, sondern die vorausgehende Beziehung mit dem pakistanischen Herzchirurgen Hasnet Khan. Er war angeblich Dianas wahre Liebe.

Regie führt der Deutsche Oliver Hirschbiegel, der in Der Untergang Bruno Ganz zum Kopieren von Adolf Hitler verleitete. Nun hat er Naomi Watts dazu verführt, die "berühmteste Frau der Welt" zu mimen, eine Ikone des Boulevards, Kämpferin gegen Landminen und blonde Mutter Theresa auf High-Heels. Im Film ist Diana omnipräsent, doch ihre familiären Bezüge zum Königshaus werden ausgeklammert; nur einmal sieht man, wie sich Diana von den Söhnen Harry und William auf einem Flugfeld verabschiedet. Schade, denn diese Frau war eine Person des öffentlichen Interesses, ja der Zeitgeschichte. Doch Hirschbiegel Sache ist die Vertiefung nicht, er aalt sich in glückspostartigen Episoden.

Also sieht man, wie Diana ihren Liebhaber im Auto versteckt zum Schäferstündchen in ihre Residenz Kensington Palace chauffiert. Wie sie Perücken aufsetzt, um unerkannt ausgehen zu können, und manch regenbogenromantisches mehr. Interessanter wird es zum Schluss, als der muslimische, öffentlichkeitsscheue Khan die Liaison zu "Di" aufkündigt. Da mutiert sie zur Stalkerin und offeriert den Sensationsmedien ihre Liebelei mit Al-Fayed als Köder, um Khan eifersüchtig zu machen. Eine forsche These die, gewollt oder ungewollt, erahnen lässt, dass es Lady Diana eventuell faustdicker hinter den Ohren hatte, als ihre Fangemeinde wahrhaben will.

Wird einem Promi-Kitsch so routiniert untergebuttert, ist man nicht davor gefeit, Bizarres ernst zu nehmen. Auch wenn der intime Zeitzeuge Hasnet Khan den Film-Plot als Tratsch und Klatsch abtut. Item, in einer Seifenoper sind wahr und erfunden dasselbe. Das wird Royalisten beruhigen: Dieses Machwerk wird den Buckingham-Palast kaum erschüttern.

15.11.2013

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Kommentare

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Gelöschter Nutzer

vor 7 Jahren

Wohl die berühmteste Dame der Welt im zwanzigsten Jahrhundert... ".. die Flucht aufs offene Meer und ein kurzes Leben, welches nicht einmal von zwei Leuten hätte gelebt werden können. "


papanouk1

vor 7 Jahren

Ein schlechter Film!! Schade für Naomi Watts, die ich sehr mag und als Schauspielerin wesentlich höher schätze, als sie in diesem Film zeigen kann!!


rioty

vor 7 Jahren

Unterhaltsam, geht jedoch nur um Diana nach Charles bis zu ihrem Tod, weniger um ihr Leben, wie ich das erwartet hatte bei dem Titel Diana.


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