CH.FILM

Ein Sommersandtraum Schweiz 2011 – 88min.

Filmkritik

Leise rieselt der Sand

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Ein Philatelist verliert plötzlich Sand und träumt von seiner verhassten Nachbarin: skurriles Märchen von Peter Luisi - etwas schräg, unschweizerisch verrückt, aber charmant und unbekümmert.

Zwei wie Hund und Katz. Man faucht und kratzt, ist sich spinnefeind. Sandra (Frölein Da Capo alias Irene Brügger) führt ein Cafe, in dem Nachbar Benno (Fabian Krüger) quasi Stammgast ist. Er nervt sich freilich, wenn sie zum Blasinstrument greift. Sie träumt von einem Auftritt als Einfrauorchester - er von einer Karriere als Dirigent. Benno, der Philatelist, ist ein notorischer Lügner, der sich etwas vormacht, sich selbst betrügt. Nun begibt es sich aber, dass Sand aus ihm rieselt, aus Ärmeln und Hosenbeinen, wenn er Tatsachen verdreht, vertuscht, verleugnet.

Das kostet ihn seinen Job, als der Briefmarkenchef (Beat Schlatter, wunderbar bürgerlich ölig) hinter die Sandverschmutzung im Laden kommt. Bennos tückischer Sand hat obendrein die Eigenschaft, andere ins Land der Träume zu schicken. Und eben in solchen Träumen, kommen sich der garstige Benno und die musikalische Sandra näher, verbringen gar Happy-Strandstunden. Aber Benno ist in Tat und Wahrheit uneinsichtig, verliert an Gewicht, dann einen Arm und versinkt im eigenen Sandberg.

Selten hat man in hiesigen Kinos eine derart kurrlige, skurrile Schweizer Romanze gesehen, lokalisiert ist sie im Zürcher Niederdorf. Die Fabel vom Sandmann - zwischen Wirklichkeit und Phantasie - kann tiefsinnig gedeutet werden: als Parallele zu Pinocchio etwa, dessen Nase beim Lügen wächst, als Aufruf zur Ehrlichkeit, als Aufmunterung, nicht die eigenen Träume aufzugeben, oder als Parabel über die Anziehungskraft von Gegensätzen.

Man kann den Sandmann auch schlicht als komische unbekümmerte Romanze sehen. Peter Luisi (will sich gar nicht festlegen, er wollte einfach einen Film machen, der unterhält und etwas inspiriert. Frölein Da Copo, bekannt aus der Satiresendung Giacobbo/Müller, ist in ihrer ersten Kinorolle eine Wucht. Dass sie dazu einige Songs beisteuert, gibt ihrer Präsenz einen besonderen Pfiff. Sie ist sozusagen Frölein Da Capo privat, die ihr Forum nun im Kino findet. Burgschauspieler Fabian Krüger ist ein überzeugender Partner, eine Art stiller Liebhaber. Luisi, Co-Autor von Fredi Murers Vitus, ist ein Film gelungen, der wohl auch auf Sand gebaut ist, aber an Pfiff, Phantasie und Sonderlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

15.09.2011

4

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Kommentare

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boris

vor 7 Jahren

Supa lustiga fuim! Unbedinkt anluega! (This was Swiss German;)


dada27ox

vor 8 Jahren

wow, mal wieder eine Schweizer Komödie, die ich nicht peinlich finde. schöne Geschichte, witzige Ideen und eine gute prise Surrealismus. die Dialoge sind leider etwas sehr einfach und uninspiriert.


torina

vor 9 Jahren

Witziger Film mit Tiefgang.


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