Ich sehe den Mann deiner Träume Spanien, USA 2010 – 98min.

Ich sehe den Mann deiner Träume

Filmkritik

Szenen dreier Ehen

Fabienne Schmuki
Filmkritik: Fabienne Schmuki

Woody Allen ist wieder zurück in London: In "You Will Meet a Tall Dark Stranger" beobachtet er Naomi Watts, Anthony Hopkins, Antonio Banderas und Freida Pinto beim Streiten, Lügen und Betrügen.

Die Erzählstimme führt durch die regnerische englische Hauptstadt, vorbei an scheiternden Karrieren und zu Tode gelaufenen Ehen. Man kriegt vorgeführt, wie der stark ergraute Alfie (Anthony Hopkins) seine Haut bräunt, Zähne bleicht und Ehefrau verlässt. Und natürlich kauft er sich einen Sportwagen und verliebt sich in das Callgirl Charmaine, immherin halb so alt wie er. In ihrer Not holt sich Alfies Exfrau Helena (Gemma Jones) Rat bei der Wahrsagerin Cristal - einem Scharlatan sondergleichen.

So glaubt Helena bald nicht nur an sich, sondern auch an ihre Reinkarnation. Auch Sally (Naomi Watts), die Tochter von Alfie und Helena, entfremdet sich immer stärker von ihrem Ehemann Roy (Josh Brolin). Sie findet ihre Bestätigung in der Arbeit, verguckt sich in ihren kultivierten Chef (Antonio Banderas), während Roy in Selbstmitleid über seinen scheiternden Roman versinkt. Zu seinem Glück findet er offene Ohren und Schenkel bei der atemberaubenden Nachbarin Dia (Freida Pinto), die selbst kurz vor ihrer Vermählung steht.

Nicht mal die Namen der Protagonisten sind hier keine Klischees, aber Allen versucht das gar nicht erst zu verbergen. Er hält sein Publikum mit cleveren Dialogen und abscheulich direkten Wortwechsel bei der Stange. Und immer genau dann, wenn man vor lauter Stereotypen davonlaufen will, fällt wieder ein Satz, der den klebrigen Klischeebrei wieder aufwischt.

Die Tatsache, dass es naturgemäss ungemein unterhaltsam ist, sich über das Leid anderer zu belustigen, wird von Woody Allen schamlos ausgenutzt. Ein Streit, der so giftig ist, wie der zwischen Mutter Helena und Schwiegersohn Roy, ist eben feinstes Entertainment. Schadenfreude ist ein billiger Trick, um den Zuschauer an den Kinostuhl zu fesseln. Aber so, wie Woody Allen das kann, macht sie einfach nur Spass. Meistens, wenigstens.

03.01.2011

3

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Kommentare

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anabah

vor 5 Jahren

Ich fand den Film nur mittelmässig. Bin sogar ein wenig enttäuscht, hätte von Woody Allen mehr erwartet. Gut fand ich einzig Naomi Watts, auch wenn sie stets ziemlich "nervös" rüberkam. Roy (Josh Brolin) wirkte extrem unsympathisch.


Barbarum

vor 5 Jahren

Äusserst klischeebehaftet und weder wirklich witzig noch dramatisch. Wohl der schlechteste Woody, den ich je gesehen habe.


movie world filip

vor 7 Jahren

charmantes drama von woody allen mit gute r anthony hopkins... ein schreiber ohne buch, verzweiflung und peinliche climax... intelligente aufbau


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