Love and Other Drugs - Nebenwirkung inklusive USA 2010 – 112min.

Love and Other Drugs - Nebenwirkung inklusive

Filmkritik

Nebenwirkungen von Lust und Leidenschaft

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Zwei Freigeister finden in Philadelphia aneinander Gefallen: Künstlerin Maggie und Charmebolzen Jamie verleben lustvolle Stunden. Doch es gibt ein Problem: Maggie hat Parkinson. Der Liebesfilm von Edward Zwick pendelt vergnüglich zwischen Lust, Leidenschaft und sentimentalem Melodram.

Dient Sex nur zum Lustgewinn oder steckt mehr dahinter? Skeptiker werden den Kopf schütteln und Romantiker auf die Liebe verweisen. Edward Zwick (Regie und Co-Autor) erzählt eine romantische Liebesgeschichte - mit ironischen Anspielungen auf die Pharmaindustrie, ihre Verkäufer und die Ärzteschaft, über Potenzgehabe und männliche Eitelkeit, über Sex mit Nebenwirkungen und eine Krankheit.

Jamie (Jake Gyllenhaal) ist ein Luftikus, ein Charmebolzen, aber beruflich ein Versager, so sieht es zumindest sein Vater. Er erhält eine neue Chance, als ihn der alte Fuchs Bruce (Oliver Platt), ein Pharmavertreter, der vom grossen Geld träumt, unter seine Fittiche nimmt. Irgendwie bleibt der Frauenheld bei seiner Charmemasche und erringt kleine Siege in Vorzimmern bei Ärzten, etwa bei Dr. Stan Knight (Hank Azaria). Doch so richtig bergauf geht's in seinem Vermarkterjob erst, als er und sein Partner Viagra in die Hände kriegen, Männer und Frauen mit dem Potenzmittel kirre machen. Auch privat läuft es beim Sonnyboy blendend. Er pflegt ein lockeres Verhältnis mit Maggie (Anne Hathaway), der smarten Künstlerin, die scheinbar nur Sex auf Abruf im Sinn hat. Doch hinter der schönen Fassade steckt Verzweiflung. Maggie, die das Malen aufgeben musste, leidet an der Parkinsonschen Krankheit im ersten Stadium, mit der sie andere nicht belasten will.

Die beiden Freigeister, die partout kein dauerhaftes Verhältnis eingehen wollen, finden über Sex zur Liebe. Und damit beginnt ihr Problem: Maggie verwahrt sich gegen Zuneigung, die irgendwie mit Mitleid und Fürsorge zu tun haben könnte. Jamie, der erstmals in seinem Leben Respekt spürt, erfährt, dass Gefühle wichtiger als Lustgewinn werden. Er kämpft um Maggie.

Als Liebeskomödie angekündigt, erweist sich die Romanze, etwas überlang mit 112 Minuten, als bunter, recht lustvoller Mix aus amerikanischem Softsex, überdrehter Satire und sentimentalem Melodram. Ein grosser Teil des Personals, vor allem Frauen, ist auf Sex fixiert, das gilt auch für Jamies fetten Bruder Josh (Josh Randall) - diese Figur hätte man sich wahrlich sparen können. Die ironisch-satirischen Seitenhiebe auf die Herren in weissen Kitteln und auf den Viagra-Rummel sitzen. Und die Parkinson-Krankheit, die in diesem Film eine wesentliche dramatische Rolle spielt, wird ernst genommen und hat ihren Platz im lebens- und liebesfrohen Drama, was auch auf das Konto des sehenswerten Paares Gyllenhaal und Hathaway geht. Es funkt.

11.01.2011

3

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Kommentare

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Gelöschter Nutzer

vor 6 Jahren

Legends of the Fall, The Siege, Shakespeare in Love, sind epische Titel, welche in den Sinn kommen, wenn ich Edward Zwick in der Regie lese. Love and Other Drugs verspottet die 1990er nach einem Vorbild: American Beauty. Jake Gyllenhaal und Anne Hathaway durften in Brokeback Mountain ihre internationale Erfolge feiern.Mehr anzeigen


schattenfell

vor 7 Jahren

Ich habe eine romatische Komödie erwartet, aber ist zu fest Drama


semi79

vor 7 Jahren

zwar etwas realitätsfremd und kitschig, aber ein bisschen schöne heile welt ist auch mal ganz ok; irgendwie herzig: -)


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