Das Konzert Belgien, Frankreich, Italien, Rumänien, Russische Föderation 2009 – 119min.

Filmkritik

Maskenball in Dur

Cornelis Hähnel
Filmkritik: Cornelis Hähnel

Kostümierungen, Rollenwechsel und falsche Identitäten - das sind tragenden Säulen in den Werken des rumänischen Regisseurs Radu Mihaileanu. Auch in der Tragikomödie "Le concert": Hier plant ein gefallener Dirigent noch einmal den grossen Auftritt.

Einst war Andrei Filipov (Aleksei Guskov) ein umjubelter Dirigent am Bolschoi-Theater, jetzt putzt er die Böden dieses traditionsreichen Hauses. Durch Zufall fällt ihm ein Fax des Pariser Théâtre du Châtelet in die Hände, in dem das Bolschoi-Orchester kurzfristig für ein Konzert angefragt wird. Filipov fasst den gewitzten Plan, anstelle des echten Orchesters seine damaligen Musiker zusammenzutrommeln, um noch einmal einen großen Auftritt zu dirigieren. Doch nach all den Jahren ist es schwerer als gedacht, die alten Kollegen für ein Konzert zu begeistern.

Juden als Nazis, Christen als Juden, gescheiterte Musiker als erfolgreiche Musiker: Das Motiv der Maskerade scheint der Biografie von Mihaileanu geschuldet zu sein. Der rumänisch-französische Regisseur stand nach eigenen Aussagen immer zwischen den beiden Kulturen, sein Vater änderte nach der Flucht aus einem Konzentrationslager seinen Namen von Buchman in Mihaileanu. Doch während in "Zug des Lebens" und "Geh und Lebe" der Identitätswechsel dem nackten Überleben diente (und somit eine politische Dimension erlangte), geht es in "Le concert" vielmehr um die Rückerlangung von Lebensqualität, auch wenn versucht wird, durch die historische Ebene einen politischen Kommentar hinzuzufügen. Wo in den vergangenen Filmen die Verstrickungen des Rollenwechsels in ihren komischsten Momenten bitterste Verzweiflung offenbarten, rückt hier der Verwechslungs-Klamauk in den Vordergrund, die Tragik ist zum Großteil der Sentimentalität gewichen.

Das Spiel mit den kulturellen Vorurteilen beherrscht Mihaileanu allerdings noch immer: mitunter bis ins Groteske gesteigert sind seine Figuren oftmals Karikaturen gängiger Stereotypen; Russen, Franzosen, Sinti und Roma, sie bedienen bekannte Klischees. Doch was auf den ersten Blick eine Brachial-Charakterisierung zu sein scheint, entpuppt sich bald als ein schelmisches Augenzwinkern Mihaileanus, denn niemals gibt er seine Figuren der Lächerlichkeit preis. Genüßlich und mit einer ordentlichen Portion Slapstick konfrontiert er den Zuschauer mit vorgefertigten Rollenbildern, um diese wiederum ad absurdum zu führen.

Und doch funktioniert der Versuch, der Komödie damit einen ernsthaften Unterbau zu geben, nicht durchgängig. Immerhin, zu unterhalten vermag "Le concert" über lange Strecken, viele Szenen haben eine wunderbare Komik, aber emotional berührt wird man nur wenig. Denn auch das Finale, angelegt auf das ganz große Gefühl, kratzt eher an der Grenze zum sentimentalen Kitsch und lässt einen bissigen Humor vermissen. Wirklich tragisch ist das aber nicht.

13.01.2011

3

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Kommentare

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Barbarum

vor 6 Jahren

Durchaus mit charmanten Momenten, aber alles in allem nichts Besonderes.


spiritofmars

vor 11 Jahren

Wäre mein Kollege nicght gewesen hätte ich den Film nicht gesehen. Eigentlich ein zu schnulziger Film für meinen Geschmack aber einige Szenen sind der Hammer.


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