Ich liebe Dich Phillip Morris Frankreich, USA 2009 – 90min.

Filmkritik

Cool und schwul

David Siems
Filmkritik: David Siems

Achtung, falsche Fährte: Diese Gay-Romance-Komödie handelt nicht von einem Tabak-Riesen, sondern von einem der interessantesten Hochstapler der jüngeren Vergangenheit. Jim Carrey und Ewan McGregor spielen die Hauptrollen in dieser wahnwitzigen und wahren Geschichte.

"Keiner redet darüber, aber schwul sein ist richtig teuer!" Mit dieser provokanten These widmet sich das Regisseur-Duo John Requa und Glen Ficarra dem wunderbar sonderbaren Leben von Steven Russell (Jim Carrey), dessen Biografie unglaublich klingt und gerade deswegen zu erstklassigem Filmstoff taugt. Denn Russells Leben, das der Autor Steve McVicker bereits in einem fabelhaften Roman aufgeschrieben hat, ist so etwas wie die aufregendere Alternative des amerikanischen Traums.

Ein vermeintlich erstrebenswertes Idyll steht hier am Anfang der Geschichte: Steven Russell genießt den Alltag in beschaulicher Kleinstadt-Atmosphäre, arbeitet als Polizist, brilliert sonntags als Kirchenmusiker und ist seiner Frau und Kindern ein fürsorglicher Familienvater. Als er einen schweren Autounfall hat, ereilt ihn im Krankenbett allerdings eine Erkenntnis von höchster Dringlichkeit: Er ist schwul - und willig, die Freuden der homosexuellen Polygamie umgehend auszukosten.

Doch das neugewählte Hedonisten-Dasein zwischen schneller Liebe, Versace, Pool-Partys in Florida und teuren Autos hat seinen Preis. Aus dem ehrlichen Gesetzeshüter von einst wird ein mythomanischer Hochstapler, der sich fortan unfassbaren Reichtum ergaunert. Mit gefälschter Vita heuert er als einflussreicher Versicherungsangestellter an, transferiert Vermögen auf schwarze Konten, kommt mehrmals ins Gefängnis, kann jedoch dank seines Einfallsreichtums immer wieder auf spektakuläre Weise fliehen.

Russells Liebe zum Häftling Phillip Morris (Ewan McGregor) treibt ihn schließlich zu immer abstruseren Betrügereien im großen Stil an. Jim Carrey gelingt es dabei, die kostspielige Dekadenz seiner Figur so charmant zu verkörpern, dass sein komödiantisches Talent mit all der verzweifelten Mimik und der intensiven Körpersprache niemals zu einer oberflächlichen Parodie aufs Schwulsein verkommt. Seine Interpretation ist niemals höflicher Klamauk, sondern zuallererst die glaubhafte und vielseitige Darstellung eines ambitionierten Mannes.

Ähnlich wie in "Catch Me If You Can" ist es der unbändige Drang nach Freiheit und Selbstverwirklichung, der dieser Geschichte ihren besonderen Charme verleiht. Dabei stehen die materiellen Verheißungen allerdings über der romantischen Kraft zwischen den beiden Liebenden: "I Love You Phillip Morris" ist somit weniger emotionales Drama über die gesellschaftlich bedingten Hürden des Schwulseins (mit Gefängnisgittern als Metapher für nicht geduldete Liebe), sondern eher die Chronik eines charmanten Gauners, der zum Scheitern verurteilt ist.

03.11.2010

4

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Kommentare

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gefuehlsmensch

vor 6 Jahren

yiiiha, super gemacht.


movie world filip

vor 9 Jahren

i ha müsse lachen... sehr


cinesunny

vor 10 Jahren


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