The Day After Tomorrow USA 2004 – 125min.

Filmkritik

Die Natur erklärt den Krieg

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Eine Klimakatastrophe sucht die Erde heim: Tornados in Los Angeles, Apokalypse in New York und Artkis in Europa. Der Deutsche Roland Emmerich führt ein solches Szenarium drastisch vor Augen, gefilmt vom Schweizer Ueli Steiger.

Sie haben immer wieder die Folgen des Treibhauseffekts angekündigt, Klimaforscher und Umweltschützer. Jetzt ist es passiert: In der Arktis brechen riesige Eiskappen ab. Forschungsstationen registrieren enorme Temperaturstürze. Tennisballgrosse Hagelklumpen prasseln auf Tokio. Astronauten beobachten, wie sich gewaltige Wirbelstürme zusammenbrauen. Schnee in Neu-Delhi und Tornados in Los Angeles. Die Natur hat der Menschheit den Krieg erklärt.

Klimaexperte Jack Hall (Dennis Quaid) hatte just an einer Klimakonferenz vor einer neuen Eiszeit gewarnt, und seine Prognosen erfüllen sich noch früher als befürchtet. Die globale Erwärmung hat eine abrupte Klimaveränderung ausgelöst, mit gewaltigen Unwettern, unglaublichen Mega-Meereswellen und eisigen Temperaturen im Schlepptau. Eine Sintflut bricht über New York herein, gefolgt von einer plötzlichen Eiszeit. Jack Hall versucht zu retten, was zu retten ist, nämlich seinen Sohn Sam (Jake Gyllenhaal, "Donnie Darko"), der sich mit Studienkollegen in Big Apple aufhält.

Das apokalyptische Szenarium hat einen realistischen Hintergrund und eine Oeko-Message. Und die heisst: Für Naturkatastrophen infolge von Luftverschmutzung und Klimaerwärmung sind die Menschen selbst verantwortlich. Natürlich ist das Katastrophendrama in "The Day After Tomorrow" überzeichnet, und manches wirkt komisch bis dämlich: etwa Halls Gewaltmarsch durch Eis und Schnee zu New Yorks Library, die komplizierte Suche auf einem vereisten Schiff nach Medikamenten oder die Attacke eines Wolfsrudels aus dem Zoo. Kurzum: Die Story ist dünn, die Schauspieler sind Randfiguren, Kulisse und Effekte aber grandios.

Etwa wenn ein Tornado die berühmte Hollywood-Reklame am Berg wegfegt oder einen Teil des Capitol-Gebäudes abrasiert, wenn eine Mega-Flutwelle die Freiheitsstaue ersäuft oder Häuser, Menschen und die US-Flagge blitzartig vereisen. Cool, very cool! Die Mannen um Regisseur, Autor und Produzent Roland Emmerich verstehen ihr Handwerk, etwa der Schweizer Kameramann Ueli Steiger ("Godzilla"), Designer Barry Chusid und das Spezialeffekte-Team.

Das Rezept ist einfach, aber wirkungsvoll. Keine Katastrophe ohne menschliche Dramen, Heldentum und Klischees: Das angespannte Verhältnis zwischen Vater und Sohn wird in der Not geklärt und gefestigt wird, Halls Frau (Sela Ward) harrt bei einem krebskranken Kind aus, und ein Klimatologe stirbt den Märtyrertod.

Und wenn sich am Ende der US-Präsident bei der Dritten Welt, sprich Mexiko, bedankt, dass dieses Land evakuierte Amerikaner aufnimmt, hat Emmerich die Lacher und die Europäer auf seiner Seite. Der Film des schwäbischen Gigantomanen bietet kolossale Katastrophen, Ueberlebenskampf und spektakuläre Spezialeffekte. Kalt lässt das keinen.

14.11.2019

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Kommentare

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trakmaster

vor 5 Jahren

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Ein Stern für die Special-Effects.


movie world filip

vor 9 Jahren

interessante idee, aber zu wenig story... coole special effects


moonlightvampir

vor 11 Jahren

Eigentlich recht gut, gute spezialeffekte und gute Story.

Doch 1Stern weniger weil es nicht sehr realistisch war. Hatte mir es realistischer vorgestellt, aber ansonsten recht gut!


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