Constantine USA 2004

Constantine

Filmkritik

Teufel nochmal!

Filmkritik: Jürg Tschirren

Ein Pakt zwischen Himmel und Hölle, Dämonen, die sich nicht daran halten wollen und ein Mann mit Superkräften, der die Hölle auf Erden verhindert. Richtig gedacht: Comicverfilmung. Keanu Reeves spielt John Constantine in der überraschend stimmungsvollen "Hellblazer"-Adaption von Francis Lawrence.

Im Gegensatz zu britischen Popmusikern fehlt US-amerikanischen Bands meist ein klarer Klassenstandpunkt. Nicht dass das zwangsläufig schlecht ist, es soll hier nur einmal festgestellt werden. Denn auch John Constantine, der Held der britischen Comicserie "Hellblazer", hat einen pointierten Working-Class Background und einen gesunden Hass gegen New Labour. In der Hollywoodversion der Geschichte mit Keanu Reeves in der Hauptrolle ist davon nichts übrig geblieben. Aber auch das muss nicht zwangsläufig schlecht sein.

Von Geburt mit der "Gabe" gesegnet, Dämonen und Halbblut-Engel in Menschengestalt zu erkennen, hat Constantine den Job übernommen, auf der Erde für ein Gleichgewicht zwischen göttlichen und teuflischen Mächten zu sorgen. Diese Aufgabe erledigt er nicht selbstlos: Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch will er sich den Weg zurück in den Himmel erkaufen. Ein Anti-Held, wie er im (Comic)Buch steht also: Mit einer Todsünde behaftet, dazu noch kettenrauchend, versoffen, verbittert. Und dank Reeves nonchalanter Darstellung mit jeder Menge Coolness und Witz gesegnet.

Beides hat er im Kampf gegen die Mächte der Finsternis bitter nötig. Als die schöne Polizistin Angela Dobson (Rachel Weisz) ihn bittet, den mysteriösen Selbstmord ihrer Schwester aufzuklären, wird Constantine in ein Abenteuer verwickelt, das ihn bis an die Pforten der Hölle führt. Und wieder zurück. Regisseur Francis Lawrence hat sich bisher als Regisseur von spektakulären Videoclips für Popstars wie Justin Timberlake oder Britney Spears einen Namen gemacht. Erfreulicherweise inszeniert er Constantines Höllenfahrt nicht als disparate Aneinanderreihung von Special Effects und Actionszenen, sondern kann den Spannungspegel mit einer gut erzählten Story bis zum zu lang geratenen Ende oben halten. Dabei helfen ihm einige bemerkenswerte Darsteller, unter anderen Tilda Swinton als androgyner Erzengel Gabriel oder Peter Stormare als Satan, der die Erde barfuss und im weissen Anzug besucht.

"Constantine" ist, man merkt es an den auftretenden Charakteren, nicht nur ein gut verfilmtes Stück Pulp, sondern auch eine Geschichte über das Böse und das Gute. Dabei steht er in einer Reihe mit anderen Comicadaptionen wie "Hellboy", Filmen wie "The Lord of the Rings" oder der Fernsehserie "24". Darüber, warum solche Erzählungen in letzter Zeit wieder Konjunktur haben, sollte an anderer Stelle einmal nachgedacht werden.

17.03.2005

4

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Kommentare

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Barbarum

vor 4 Jahren

Der Film ist einfach kompromisslos Badass. Witzig, kultisch, tolle Effekte und in jeder Rolle einfach mit den idealen Schauspieler besetzt. Vor allem überragendes Casting von Swinton und Stormare.


MrsStraciatella

vor 6 Jahren

Absolut überzeugende schauspielerische Leistung von Keanu Reeves als kompromissloser und "cooler" John Constantine. Verfeinert mit leichtem Humor, Mystery und genialem Soundtrack! Ein echtes Fest!


andi131321

vor 13 Jahren

Ich hatte mir den film etwas schlechter vorgestellt, aber ich muss sagen er gefällt mir recht gut. Super Story und auch die effekte sind nicht schlecht.


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