5 x 2 Frankreich 2004 – 90min.

Filmkritik

Der Anfang vom Ende

Filmkritik: Irene Genhart

Ein rückwärts erzähltes Beziehungsdrama, das vom unterschiedlichen emotionalen Erleben von Mann und Frau berichtet. François Ozon analysiert fünf Stadien im Liebesleben eines Paares.

Was verbindet zwei Menschen, was treibt sie auseinander? Immer wieder hat der Franzose François Ozon ("8 Femmes") in seinen Filmen nach dem Kern von Beziehungen gefragt. Seine bisher eindrücklichsten Beziehungsstudien sind "Gouttes d'eau sur pierres brûlantes" und "Sous le sable". Ersterer Film schildert das Auseinanderleben eines Paares anhand alltäglicher Unachtsamkeiten, der zweite erzählt, wie eine Frau, aufgewühlt durch das plötzliche Verschwinden ihres Gatten, ihre Beziehung zu überdenken beginnt.

Mit "5 x 2" stellt Ozon nun ein nicht minder eigenwilliges Beziehungsdrama vor. Zu dessen Beginn sitzen Marion (Valeria Bruni Tedeschi) und Gilles (Stéphane Freiss) beim Richter und lassen sich scheiden. Gefasst stimmen die beiden allen Vereinbarungen zu. Doch wie sie nachher miteinander in ein Hotel gehen, laufen die Gefühle über: Hoffnung auf einen Neuanfang, Zorn und Verzweiflung über das Scheitern der Ehe prägen Gilles' Verhalten. Wut und Ärger über die eigene Unfähigkeit, sich abzugrenzen und Trauer liest man in Marions Reaktionen. Dann schlafen die beiden miteinander und es hat etwas Brutales an sich, wie Gilles Marion nimmt, derweil sie leise heult: Es ist gewaltig und mutig und grossartig, wie Valéria Bruni-Tedeschi und Stéphane Freiss diese heikle, emotional sehr bewegte Szene meistern.

In dieser etabliert sich denn auch das Thema von Ozons Film: Das unterschiedliche emotionale Erleben und, daraus resultierend, das unterschiedliche Verhalten eines Mannes und einer Frau in von beiden gleichermassen als wichtig eingestuften Situationen. In dieser Divergenz stecken die Möglichkeiten sowohl zum Scheitern als auch zum Erfolg einer Partnerschaft.

Es gehe, hat Ozon erklärt, in "5 x 2" nicht darum, die Logik eines Scheiterns darzulegen, sondern darum, das Publikum an den Gefühlen teilhaben zu lassen, welches ein Paar im Laufe seiner Geschichte durchlebt. Aufgezogen hat Ozon seinen Film so, wie man sich am Ende einer Beziehung an diese erinnert: Von den letzten gemeinsamen Momenten bis zur ersten Begegnung.

So ist der Titel denn Programm: "5 x 2" schildert fünf wichtige Stationen einer Beziehung: Die Scheidung, ein in Dissonanz endender Abend mit Freunden, die Geburt des Sohnes, die Hochzeitsnacht, die erste Begegnung. Die einzelnen Akte unterscheiden sich nicht nur in ihrer emotionalen Prägung, sondern auch in der Inszenierung stark voneinander. Derweil die erste Begegnung an Eric Rohmers leichtfüssige Sommerfilme erinnert, nimmt sich der Abend mit Freunden aus wie ein Film von François Truffaut, und in der Scheidung spiegelt sich eine Direktheit, wie man sie sonst etwa in den Filmen von Patrice Chéreau findet. So ist "5 x 2", getragen vom starken Spiel seiner Darsteller, eine abwechslungsreiche und nachdenklich stimmende Abhandlung über die Liebe.

17.11.2004

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

justkev

vor 16 Jahren

Abgesehen von den Schauspielern gibt der Film meines Erachtens zu wenig her. Wirklich glücklich waren die Protagonisten in Ihrer Beziehung nie. An einem Date ist von diesem Film jedenfalls abzuraten...


kohlkohl2

vor 16 Jahren

In diesem Film aber am Anfang: Frust, Unverständnis und Einsamkeit. Eine fast klinische und nüchterne Scheidung. Nachdem nichts mehr war, kann es trotzdem noch schlimmer werden... Das lässt auf eine grosse Liebe schliessen. Welche uns François Ozon mit befremdenden Szenen wie den feigen Gille, der Marion bei der Frühgeburt nicht beistehen kann und will oder Marion, die in der Hochzeitsnacht sich einfach einem Fremden hingibt, wieder austreibt.

Am Ende verliess ich doch tieftraurig das Kino. Und ich frage mich, warum tun wir uns die grosse Liebe jedesmal aufs Neue wieder an? Der Film stimmt nachdenklich. Lässt einem Beziehungsmuster überdenken.

Für Marion und Gilles empfindet man am Ende tiefes Mitleid, wie eine solche Unbeschwertheit und Heiterkeit in dieser Kälte enden konnte. Warum sie es überhaupt soweit kommen liessen? Man wünscht sich, es wäre für die beiden anders gekommen...

Wenn Ihr also Lust auf Blues habt, nur zu: Seht euch den Film an.Mehr anzeigen


pool77

vor 16 Jahren

Der 2. und 3. Teil des Filmes haben mir am bestens gefallen. Und Valeria Bruni Tedeschi.


Mehr Filmkritiken

Dune

Schachnovelle

Riders of Justice - Helden der Wahrscheinlichkeit

Tom and Jerry