American Psycho Kanada, USA 2000 – 101min.

Filmkritik

American Psycho

Bruno Amstutz
Filmkritik: Bruno Amstutz

"American Psycho" ist eigentlich ein unverfilmbarer Roman. Mary Harron wagt das Unternehmen trotzdem, verzichtet aber auf misshandelte Leichen und inszeniert stattdessen um den Serienmörder Patrick Bateman eine bitterböse Satire auf das Leben der Wall Street Yuppies. Ein Rezept, das sich bezahlt macht.

Als der Autor Bret Easton Ellis 1991 seinen Roman "American Psycho" ablieferte, entfachte er einen Sturm der Empörung. Der Grund: Sein Protagonist Patrick Bateman beschreibt aus der Ich-Perspektive seitenlang, wie er reihenweise Leute foltert, verstümmelt und ermordet, während er nach aussen die perfekte Fassade des makellosen Geschäftsmannes wahrt. Die bis ins ekelerregendste Detail ausgewalzten Quälereien kleidet Ellis in eine emotionslose, beinahe wissenschaftlich beschreibende Sprache, welche die Gefühlsarmut von Bateman perfekt und furchteinflössend zum Ausdruck bringt und den Effekt der Grausamkeiten bis zum Brechreiz steigert.

Mit dem nötigen Abstand eines Jahrzehnts übernimmt Regisseurin Mary Harron die Verfilmung des Skandalromans und schlägt dabei den wohl besten Weg ein: Auf explizite Gewaltszenen verzichtet sie sinnvollerweise beinahe gänzlich – diese könnten auch mit literweise Kunstblut kaum die verstörende Wirkung der Vorlage erreichen. Während die Greueltaten der Fantasie des Publikums überlassen bleiben, hält sich Harron ansonsten beinahe sklavisch an die Buchvorlage und beweist damit, dass der Roman auch abseits von Blutfontänen und zerlegten Menschenkörpern über Substanz verfügt.

"American Psycho" führt an die Wall Street im Jahr 1987, in eine Zeit als Mobiltelefone noch klobige Ungetüme waren, Hosenträger zum Anzug als der letzte Schrei galten und Huey Lewis die Hitparaden stürmte. Patrick Bateman (Christian Bale) ist Vizepräsident einer Brokerfirma – genau wie all seine Freunde und Kollegen. Diese haben nicht nur denselben Job wie Bateman, sie tragen auch die gleiche Brille, essen in den gleichen Restaurants und fönen sich die gleiche Frisur. In der Welt der durchgestylten Klone entscheidet das Design der Visitenkarte über sozialen Aufstieg oder Untergang, und wer im angesagtesten Lokal der Stadt keinen Tisch bekommt, steht vor dem gesellschaftlichen Abgrund. Vor dieser glanzvoll leeren Kulisse bewegt sich Bateman, ohne Aufsehen zu erregen, doch nachts erwacht in ihm eine Mordlust, die immer mehr Opfer fordert.

Regisseurin Harron überlässt es dem Publikum zu entscheiden, wieviele der Gewalttaten sich nur in Batemans Kopf abspielen und welche er tatsächlich begeht, und stellt dabei die Frage, wieviel absurde Gleichgültigkeit in dieser Welt überhaupt möglich ist. Auf Erklärungen, die über den Roman hinausführen würden, verzichtet sie aber glücklicherweise.

Das junge Talent Christian Bale ("Shaft") erweist sich als Volltreffer, nachdem Leonardo Di Caprio Gott sei Dank von der Besetzungsliste gestrichen wurde. Bale schafft es mit seinem kantigen Gesicht und einem stechenden Blick, der Figur des Bateman genau jene Mischung aus gutem Aussehen, aalglatter Kälte und emotionsloser Härte zu verleihen, die sie glaubhaft macht.

24.04.2012

4

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Kommentare

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dulik

vor einem Jahr

Ein hervorragender Christian Bale hat diesen Film über den vermeintlichen Psycho-Killer "Patrick Bateman" zu einem kleinen Klassiker gemacht. Jedoch lebt "American Psycho" vorwiegend von der Schauspielleistung des Hauptdarstellers, denn abgesehen vom Twist am Ende kommt die Handlung relativ nackt daher, auch wenn die vielen Psychospielchen durchaus ihren Reiz haben.
7.5/10Mehr anzeigen


movie world filip

vor 9 Jahren

bale in sein bester film bis dann... sehr starke verfilmung von ein super buch von ellis. ein reiche sohn von... hat psychische problemen und glaubt er ist ein richtiger psycho killer. von streit über business cards bis mord


grinchi

vor 11 Jahren

ich finde diesen film extrem.... und extrem genial
niemals gibt es so eine symbiose zwischen gewalt die in schönheit und eleganz ausartet. Gleichzeitug ist der Film episch und ziemlich philosophisch auf seine eigene Art

fakt ist ich liebe diesen film und dieser krankhafte egoismus den christiab bale verkörpert geht schon ins perverse (obwohl ich die musik überhaupt nicht mag)Mehr anzeigen


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