Cube Kanada 1997 – 90min.

Filmkritik

Big Brother als Fiktion

Filmkritik: Reto Caduff

Zwei Jahre dauerte es, bis es der Debutfilm des kanadischen Regisseurs Vincenzo Natali in die Schweiz geschafft hat. Natali, ein Jünger David Cronenbergs, zeigt in seinem Kammerspiel, wie man als Jungregisseur mit bescheidenen Resourcen umgeht und beweist sich darin als wahrer Meister.

Der ganze Film spielt in einem würfelähnlichen Gebilde, in dem eines Tages sechs Menschen aufwachen. Sie haben keine Ahnung, wie sie in den Würfel geraten sind, noch was der Zweck dieses Experimentes sein soll. Von jedem Würfelzimmer kann man über Schächte in weitere, scheinbar identische Würfelzimmer gelangen, doch schon bald wird klar, dass es verschiedene Zimmer gibt: die einen harmlos, andere mit tödlichen Fallen bestückt. Schnell wird den menschlichen Versuchskaninchen klar, dass sie nicht zuletzt dank ihren Fähigkeiten und Charakteren auserwählt wurden. Quentin (Maurice Dean Wint) ist ein Polizist, der gerne Verantwortung übernimmt. Leaven (Nicole de Boer aus Deep Space Nine) ist eine Mathematikstudentin, die sich vor allem mit Primzahlen auskennt und so den Tag rettet. Holloway (Nicky Guadagni) ist Ärztin, genauer Psychologin, die aber das eigene Stressmanagement alles andere als unter Kontrolle hat. Architekt Worth (David Hewlett) weiss mehr über das Würfellabyrinth, als er zugibt. Der kriminelle Rennes (Wayne Robson) ist wohl nicht in allen Bereichen so talentiert wie als Ausbrecherkönig. Und schliesslich bringt der autistische Kazan (Andrew Miller) Leben in das Sextett.

Cube ist Kammerspiel, Sci-Fi und Psychothriller in einem. Natali hat den gesamten Film in einem Studio mit vier Wänden, einer Decke und einem Boden gedreht, - man kommt nicht umhin, den Film zur Pflichtvisionierung für Filmstudenten zu empfehlen.

"Cube" ist gewiss nicht ohne Mängel. Die gestelzten Dialoge wirken oft schwindelerregend dumm, und man kann bloss ahnen, wieviel mehr man mit Schauspielern von Hollywoods A-Liste hätte herausholen können.

Regisseur und Co-Autor Vincenzo Natali hat mit "Cube" - lange vor "Big Brother" - eine Allegorie auf das Zusammenleben auf engstem Raum geschaffen. Er hält dem Kinopublikum den Spiegel vor und dieser ist nicht gerade ein Ruhmesblatt. Da wird gelogen, beschissen, getrickst. Die unterschiedlichsten Egos prallen aufeinander. Wer immer den Würfel gebaut hat, muss einen kranken Humor haben. Gut zu wissen, dass man dem Treiben 90 Minuten lang aus dem sicheren Dunkel des Kinosaal zuschauen darf.

19.07.2011

3

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Kommentare

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Gelöschter Nutzer

vor 13 Jahren

Geziehlt gesehen, gelesen und gekauft.
Uns was kam raus? Ich habe mir den Film 3x am Stück angesehen. der erste Metzelfilm, den ich je gesehen habe. Dafür isses gleich recht heftig, denk ich. Natürlich habe ich auch den "Wie-alles-begann-Film" und den "Hypercube" angesehen, wobei ich sagen muss, dass "Cube Zero" (Wie es begann) etwas interessanter war. Und beim Hypercube (den sah ich erst kürzlich) habe ich gar nicht mehr durchgeblickt...
Letztlich: wer die Triologie vollständig haben muss, bitte, Aber auf "Hypercube" kann man auch notfalls verzichten.Mehr anzeigen


4dfx

vor 15 Jahren

Per Zufall in diesen Film geraten und heilfroh ihn gesehen zu haben. Habe auch gleich die DVD gekauft. Super spannend, beklemmend und nervenaufreibend!


laki777

vor 15 Jahren

The tension in the movie is unbelievable! And the fact that is done with a small budget?!
Really cool movie, plays with our own fears, and keeps u on the toes 1 and 1/2, 2 hours..


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