Shorty und das Geheimnis des Zauberriffs Deutschland 2021 – 66min.

Filmkritik

Shorty und das Geheimnis des Zauberriffs

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Als ihr Korallenriff vom Schleppnetz eines Fischerboots zerstört wird, müssen sich drei lebhafte Fischlein auf die Suche nach einem neuen zu Hause machen. Ein lehrreicher Kinderfilm, dessen etwas zu sehr an «Findet Nemo» angelehnter Look und Inhalt wohl warme Gefühle aufkommen lassen soll, aber am Ende eher verwirrt.

Der quirlige Zackenbarsch Shorty (Deutsche Stimme Dirk Petrick) lebt mit seiner cleveren Schwester Indigo (Emilia Schüle) und seinem Freund, dem pessimistischen Sägefisch Jake (Andreas Bourani), in einem wunderschönen Korallenriff, wo sie auf dem Rücken der Manta-Rochen reiten, im Korallenwald Verstecken spielen und mit einem Kugelfisch nicht Fuss-, aber Flossenball spielen. Das Leben ist grossartig, wären da nicht die Menschen, deren Müll, Verschmutzung und kommerzielle Fischerei Shortys Ökosystem bedrohen. Als ein Schleppnetz eines Fischfangschiffs ihr Korallenriff völlig zerstört, müssen sich unsere drei Helden auf die Suche nach einem neuen Heim machen. Sie machen sich auf eine abenteuerliche Reise zum Zauberriff Kaluoka’Hina, wo es laut der Legende keine Menschen geben soll, die die Umwelt zerstören.

«Wasser ist die Quelle allen Lebens.» Mit diesen Worten eröffnet die Off-Sprecherin Veronica Ferres den Film. «Der Ozean ist unsere Heimat, die in Gefahr ist und um Hilfe ruft.» Es ist von Anfang an klar, dass es sich bei «Shorty» um einen Film mit einer Message handelt. Ein bisschen Recherche zeigt, dass sein Autor und Regisseur Peter Popp den Film ursprünglich 2004 als 360 Grad Film für Planetarien konzipiert hatte. Seither hat sich die Geschichte zwar etwas verändert, aber die ökologische Message blieb die gleiche. Die grösste Bedrohung der Meeresbewohner sind die Menschen.

Während Disneyfilme wie «Moana» oder Pixars «Findet Nemo» das selbe Thema mit witzigen Sprüchen wie «Fische sind Freunde, kein Futter», oder Metaphern wie der von Maui, der selbstherrlich das Herz von Te Fiti stiehlt, behandeln, geht «Shorty» ganz direkt ans Problem heran. Ein Schleppnetz zerstört den Lebensraum unserer drei Helden und auf ihrer Reise zum Zauberriff kämpfen Shorty, Indigo und Jake gegen die Tücken verlassener Fischfallen, illegal entsorgter Autoreifen und Plastiksäcken, die in der riesigen Müllinsel im Ozean herum schwimmen und eine grosse Gefahr für die Meerestiere darstellen. Diese Unverblümtheit macht das Problem, gerade für kleinere Kinder, gut verständlich. Ausserdem liefert «Shorty» lehrreiche Information, wie z.B. dass Korallen Tiere und keine Pflanzen sind oder dass Tintenfische in jedem Tentakel ein Gehirn haben.

«Shortys» grösstes Problem ist aber, dass der Film sowohl im Look als auch inhaltlich zu sehr «Findet Nemo» ähnelt. Shorty der Fisch hat erstaunliche Ähnlichkeit mit dem berühmten Clownfisch, angefangen von seiner orangen Farbe bis zu seiner unterentwickelten Schwimmflosse. Da seine Schwester Indigo ein blauer Fisch wie die vergessliche Dory ist, drängt sich der Vergleich noch mehr auf. «Shorty» Schöpfer Peter Popp wollte sich die Vergleiche zum Pixar Film wohl zu Nutzen machen, aber die selbe Farbpalette der Unterwasserwelt und etwas zu ähnlichen Begegnungen mit Haien, Walen und einem Anglerfisch, der mit seinem Lämpchen auf der Antenne die düstere Lage unserer Fische beleuchtet, sind nicht nur für Kinder verwirrend.

«Shorty» hat gute Absichten und seine Message ist eine noble. Die Ähnlichkeit mit dem Pixar-Film grenzt jedoch schon fast ans Plagiat, obwohl «Shorty» die Finesse und der Witz von «Findet Nemo» fehlt. Aber jüngere Kinder werden die Message von «Shorty», die Erwachsene vielleicht als etwas zu Holzhammer-haft empfinden, besser verstehen. «Unsere salzigen Tränen erinnern uns daran, dass wir alle aus dem Meer stammen“, endet der Film mit Veronica Ferres Stimme. «Wir müssen den Ruf des Ozeans hören und alles Leben bewahren. Die Zeit ist jetzt.» Wenn einige Kinder dank «Shorty» auf den Gebrauch von Plastikflaschen verzichten, hat der Film sein Ziel erreicht.

18.05.2021

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