Shadow in the Cloud Neuseeland, USA 2020 – 83min.

Filmkritik

Die Angst liegt im Verborgenen

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Der Kinostart fiel in den USA wegen der Covid-19-Krise aus, seine eigene Krise hatte Shadow in the Cloud aber schon zuvor. Denn Autor Max Landis fand sich in seinem eigenen #metoo-Skandal wieder, weswegen man ihn von dem Projekt abzog und Regisseurin Rosanne Liang das Skript selbst umschrieb.

Der Zweite Weltkrieg: Maude Garrett (Chloe Grace Moretz) wird mit der Mission betraut, einen Koffer mit geheimem Inhalt zu befördern – und zwar an Bord eines B-17-Bombers. Die Besatzung ist wenig erfreut über die Frau an Bord, die sich in die Waffenkanzel zurückzieht und dort verschanzt. In den Schatten erspäht sie eine Kreatur, die an den Tragflächen des Flugzeugs hängt, doch keiner der Männer will ihr glauben, zumal sie alle der Frau ohnehin misstrauen, da ihre Geschichte ihrer Meinung nach nicht Hand und Fuß hat.

Die Inspiration für Shadow in the Cloud sind eine Folge von Steven Spielbergs Serie Amazing Stories, in der eine Figur in einer solchen Waffenkanzel gefangen ist, und eine Episode des Zeichentrickfilms Heavy Metal, in dem Monster in einem Bomber die Besatzung dezimieren. An beide Vorbilder reicht Shadow in the Cloud nicht heran. Er hat weder die magische Schönheit des einen, noch die gruselige Stimmung des anderen. Stattdessen wirkt der Film einfach über weite Strecken zu minimalistisch.

Denn Hauptdarstellern Chloe Grace Moretz befindet sich den Grossteil des Films über in dieser Waffenkanzel. Visuell ist das nicht gerade beeindruckend, da sich nur wenig Möglichkeit zur Variation bietet. Es dauert auch, bis wirklich klar wird, dass sich das Ganze als Horrorfilm versteht. Hier wäre es ratsam gewesen, schneller zur Sache zu kommen. Dann aber auch nicht ins Abstruse abzugleiten. Nur weil ein Monster den Film aus dem Reich des Realistischen herausholt, ist das kein Freibrief, in jeder Beziehung zu übertreiben – etwa dann, wenn Moretz‘ Figur sich in Tausenden Metern Höhe und bei starkem Wind die Außenhaut des Flugzeugs entlanghangelt.

Das strapaziert die Glaubwürdigkeit, ist aber auch ineffektiv. Da der Film zuerst mit einem klaustrophobischen Gefühl spielt, dann aber zu weit ausholt. Überhaupt ist das Monster auch nicht gerade überzeugend. In den Nachtszenen rund um das Flugzeug geht es, im Finale auf dem Boden in hellem Tageslicht kommen die CGI-Defizite aber schon zum Tragen.

Alles in allem ist Shadow in the Cloud ein durchwachsener Film mit ein paar interessanten Ansätzen, aber reichlich Schwächen in der Ausführung. Nicht unbedingt das, was man im Kino sehen muss. Ist aber auch nicht nötig, die DVD und Blu-ray sind in Deutschland bereits erschienen.

04.05.2021

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