Un autre monde Frankreich 2020 – 96min.

Filmkritik

Ungeschickter Teufelskreis

Filmkritik: Eleo Billet

Als letzter Teil einer Trilogie um die französische Arbeitswelt, die mit «La Loi du marché» (2015) und «En Guerre» (2018) begann, bringt «Un autre monde» Vincent Lindon und den Regisseur Stéphane Brizé zusammen, deren Können in Sozialdramen mit prägnanten Aussagen bestätigt wurde.

Der Leiter einer Unternehmens Filiale Philippe Lemesle (Vincent Lindon) könnte beneidet werden, wenn er nicht mitten in seiner Scheidung stecken würde. Mit einer distanzierten Tochter und einem depressiven Sohn, ist er unfähig, sich ganz seiner Familie zu widmen. Dazu kommt die angespannte Arbeitssituation, die sowohl seine Führungsposition als auch seine persönliche Integrität bedroht. Seine Situation wirkt aussichtslos, vor allem wenn er mit seinen Vorgesetzten konfrontiert wird.

Am Anfang des Filmes werden Familienfotos von früher gezeigt. Sie spiegeln den heftigen Streit über die Höhe der Scheidungssumme wider. Das Ganze ist so inszeniert, dass die Tränen und das Bedauern eines verliebten Paares herauskommen. Stéphane Brizé zeichnet ein schonungsloses Porträt des Lebens eines Arbeiters, der bald am Ende ist. Der Abstieg in die Hölle geht unaufhaltsam weiter. Sein Sohn Lucas (Anthony Bajon), von dem genauso wie von seiner Tochter Juliette (Joyce Bibring) erwartet wird, dass er ein brillantes Studium absolviert, lässt sich ins Krankenhaus einweisen. Er erträgt es nicht mehr, vom Bildungssystem zerrieben zu werden. Dazu kommt seine Vorgesetzte Claire Bonnet Guérin (Marie Drucker) ins Spiel. Die wirtschaftliche Krise hinterlässt ihre Spuren worauf Entlassungen folgen, um mit dem Rest Europas wettbewerbsfähig zu bleiben.

Und so ist es weniger die Arbeit, als vielmehr der Druck und die damit verbundenen Sinnlosigkeiten, die sich daraus ergeben, die der Regisseur anprangert. Seine Wünsche werden durch das Paar Vincent Lindon-Sandrine Kiberlain verherrlicht, dessen Chemie auch 10 Jahre nach «Mademoiselle Chambon» noch brillant ist. Ihnen stehen keine erfahrenen Darsteller gegenüber, sondern Laiendarsteller, die nach ihren Berufen (Anwälte, Arbeiter, Manager) benannt werden. Die Inszenierung, die auf Realismus, Rohheit und Nähe zu den Figuren abzielt, schwächt jedoch die Intensität der fiktionalen Elemente und der melodramatischen Momente ab.

Übersetzung aus dem Französischen von Elleo Billet durch Alejandro Manjon.

05.08.2022

3

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