Riders of Justice - Helden der Wahrscheinlichkeit Dänemark 2020 – 116min.

Filmkritik

Zahlen lügen nicht

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Seit vielen Jahren arbeiten Regisseur Anders Thomas Jensen und Mads Mikkelsen schon zusammen. Ihre Filme haben häufig eine grimmige Form von Komik zu bieten, sind aber auch ernsthaft und mitunter tragisch. Genau diese Mixtur gibt es jetzt auch bei «Riders of Justice», der sich im Grunde die Frage stellt, was wäre, wenn John Wick mit den Nerds von «The Big Bang Theory» zusammenarbeiten würde.

Ein Flügelschlag eines Schmetterlings eine halbe Welt entfernt kann Tausende Kilometer entfernt einen Hurrikan auslösen – so die Theorie. Ein gestohlenes Fahrrad, das ins Ausland verschachert wird, kann in Dänemark eine tödliche Eskalationskette auslösen. Denn Otto bietet einer Frau einen Platz in der U-Bahn an, es kommt zum Unfall und sie stirbt. Nur glaubt Otto nicht an Zufälle und kann den Witwer überzeugen, dass er recht hat. Der sinnt nun auf Rache, weil er einen Sinn im Tod seiner Frau finden will …

Der Humor des Films ist grimmig. Er hat alles, was ein Drama benötigt, aber er dreht es durch den Action-Fleischwolf und reichert die Mischung mit bissigem Humor an. Das könnte in die Hosen gehen, Anders Thomas Jensen ist jedoch ein herausragender Autor mit viel Feingefühl und ein versierter Regisseur. Zudem hat er mit Mads Mikkelsen eine Naturgewalt von einem Schauspieler am Werk. Gerade die stoische Kälte seiner Figur ist ein schöner Gegenpol zu den Nerds, angeführt von Nikolai Lie Kaas, der als Otto ein Anhänger der Chaostheorie und sich eines immer sicher ist: Zahlen lügen nicht.

Das mag sein. Aber was, wenn die Interpretation falsch liegt? Der Film greift damit ein interessantes Thema auf. Dass die Realität sich immer auch dem zu beugen hat, was man zu finden erhofft. Wenn man mit einer gewissen Erwartung an ein Thema herangeht, findet man eher Hinweise und Beweise, die diese unterstützen. Der Film ist darum auch einer für unsere Zeit, weil er auffordert, die Faktenlage zu prüfen – und zwar ohne eigene Voreingenommenheit. Wenn man so will, ist «Riders of Justice» auch ein Manifest gegen Querdenken und Schwurbeln.

Interessant ist der Film aber auch, weil er Kausalität und Zufall in Korrelation zueinander setzt und aus einer Tragödie tatsächlich etwas Gutes und Schönes entstehen lässt. Das Eine hätte ohne das Andere niemals existieren können. Eine Erkenntnis, die hart, aber auch sehr wahrhaftig ist. Man könnte darum auch sagen: Nichts geschieht ohne Grund. Aber dann würde man natürlich dem Schicksal zu viel Macht zusprechen …

13.09.2021

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Mehr Filmkritiken

Dune

Schachnovelle

Tom and Jerry

Wickie und die starken Männer - Das magische Schwert