Follow Me USA 2020 – 88min.

Filmkritik

Panik im Escape-Room

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Der Trip in einen Moskauer Escape-Room wird für den amerikanischen Videoblogger Cole Turner zum mörderischen Alptraum. Aus trashigem Spass wird blanker Horror. Ein reisserischer Media-Schocker, der trotz überraschender Wende blass bleibt.

Geschlossene Räume sind bestens geeignet, ein Schreckensszenarium aufzubauen und den Puls höher schlagen zu lassen. Lebendig begraben – ein Alptraum, der in Filmen wie «Primature Burial» (19623) von Roger Corman oder «Buried» (2010) vom Spanier Rodrigo Cortés geradezu zelebriert wird. Vermeintliche Schutzräume können zur Falle werden, wie beim Thriller «Panic Room» mit Jodie Foster aus dem Jahr 2002. Eine andere Variante heisst Escape Room, wo Nervenkitzel inszeniert wird: Die Eingesperrten müssen sich allerlei Aufgaben stellen, um hinter verschiedene Tricks kommen und Schlüssel zur Öffnung und Befreiung finden.

Der Filmfreak und erfolgreiche Videoblogger Cole Turner (Keegan Allen) will sein Geschäftsunternehmen speziell, natürlich spektakulär feiern und mit Social-Media-Publikum. Ein Freund hat Verbindungen nach Moskau und schlägt vor, dass der lässige Cole sich dort mit den Tücken eines Espace Rooms herumschlägt. Eine vierköpfige Clique macht sich auf den Weg. Die Begegnung mit Gangstern in einer Bar lässt nichts Gutes ahnen. Der Moskauer Mittelsmann Alexei (Ronen Rubinstein) weist sie in ein düsteres ehemaliges Gefängnis ein. Nach 30 (Film-)Minuten geht der eigentliche Trip im düsteren Verlies los. Zuerst stösst Cole auf eine nackte männliche Leiche, die er aufschneiden soll, um an einen Schlüssel zu kommen. Blutiger Ernst oder Schabernack? Cole ist verunsichert, erst recht als Kumpel Thomas (Denzel Whitaker, nicht verwandt mit dem bekannten Schauspieler Forest Whitaker) Elektroschläge erleiden muss und seine Freundin Erin (Holland Roden) in einem Tankbehälter zu ertrinken droht. Es wird gemetzelt, gefoltert, geschossen. Der vermeintlich harmlose Fluchttrip wird zur Gewaltorgie.

Regisseur Will Wernick reiht in seinem Nerventhriller Horrorpartikel an Gruseleffekte. Seine Escape Room-Variante endet in einer Folterkammer, doch das ist noch nicht das Ende, das zu einer überraschenden Wende führt – gegen alle Horrorgepflogenheiten. «Follow Me» - der Film hat nichts mit dem gleichnamigen Ost-West-Drama aus dem Jahr 1989 von Maria Knilli gemein – schildert, was Influencer unternehmen, um ihre Follower bei der Stange zu halten. Doch die Filmemacher verlieren das Thema (Social Media, Influencer und Follower) bald aus den Augen und servieren einen exzessiven Horrorverschnitt, der nur teilweise für Spannung sorgt. Das mag einerseits am konventionellen Drehbuch, andererseits an den blassen Darstellern liegen, die Figuren ohne Eigenschaften und Charakter abliefern.

26.10.2020

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