Fly Deutschland 2020 – 110min.

Filmkritik

Tanz um dein Leben

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Nach gleich mehreren Pferdefilmen hat sich Katja von Garnier nun einem Genre angenommen, das in der Regel auch nur wenig Platz für Innovation lässt: der Tanzfilm. Als originell muss man wohl schon einstufen, dass im Mittelpunkt der Geschichte Häftlinge stehen.

Bex sitzt im Gefängnis und verweigert sich allen Resozialisierungsprogrammen. Interesse entwickelt sie erst, als ihre Anwältin sie in der Gruppe von Tänzerin Ava unterbringen kann. Sie leitet ein Programm, das auf der Kippe steht, das aber Street-Dancern die Möglichkeit geben will, mit ihrer Leidenschaft ihr Leben in eine neue, bessere Richtung lenken zu können. Bex findet als Einzelgängerin nur schwer Anschluss, aber so wie sie erkennt auch jeder anderen, was dieses Programm für sie bietet. Als es schliesslich Gefahr läuft, eingestellt zu werden, liegt es an den jungen Leuten, etwas dagegen zu tun.

Der Resozialisierungsansatz erlaubt dem Film aber auch nicht, allzu sehr neues Terrain zu betreten. Bei Tanzfilmen dreht es sich meist um ein Mädchen, das gegen alle Widrigkeiten ihren Traum verwirklicht. Hier hat man das aber im Grunde auch, nur dass man Bex auch noch ein traumatisches Erlebnis an die Hand gegeben hat. Das Problem dabei: Nichts davon ist wirklich in den Charakteren verankert, alle Probleme, die hier auf die jungen Häftlinge projiziert werden, sind allesamt aus der Klischeekiste hervorgekramt.

Es ist im Endeffekt so wie bei Katja von Garniers «Ostwind»-Filmen. Da waren die Geschichten auch nur Vehikel. Dort, um schöne Pferdeszenen zu zeigen, bei «Fly» nun, um ein paar dynamische Tanzeinlagen bieten zu können. Nur bei diesen wird der Film auch wirklich lebendig. Es ist der Sound, es sind die perfekten Bewegungen, es ist die Choreographie, die zu gefallen wissen, aber all diese schönen Elemente können nie über den halbgaren Zustand der Geschichte hinwegtäuschen.

Für die tänzerische Umsetzung holte man das Ensemble der «Flying Steps», ausserdem den Hip-Hop-Freestyle-Weltmeister Ben Wichert. Der gibt hier auch gleich sein Schauspieldebüt, allzu überzeugend ist er aber eigentlich nie. Überhaupt ist auffällig, dass das schauspielerische Niveau des Films sehr wechselhaft ist. Manche sind hervorragend und überzeugen in ihren Rollen, andere wirken, wie aus dem Laientheater rekrutiert.

Natürlich wird ein Film wie «Fly» vom interessierten Publikum ohnehin nur wegen der Musik und der Tanz-Performances gesehen. Alles andere ist Beiwerk. Darum muss es wohl auch nicht über blosse Pflichterfüllung hinausgehen. Was zählt, ist die Energie des Tanzes, die hier wirklich zu spüren ist. Entsprechend gilt für «Fly», was im Grunde für alle Tanzfilme gilt: Lebendig, wenn getanzt wird, ansonsten eher etwas träge.

11.10.2021

3

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