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Filmkritik

Unerwünschte Schwiegersöhne

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Wie wird man seine angehenden Schwiegersöhne am schnellsten los? Antworten darauf präsentiert Regisseur Marc Rothemund (Dieses bescheuerte Herz) in seinem kurzweiligen, pfiffigen Remake des spanischen Erfolgsfilms Es por tu bien.

Auf den ersten Blick könnten sie verschiedener nicht sein, dennoch sind sie Schwäger: Bauarbeiter Kalle (Jürgen Vogel), der wohlhabende Wirtschaftsanwalt Arthur (Heiner Lauterbach) und Physiotherapeut Yussuf (Hilmi Sözer). Doch sie haben ein gemeinsames Ziel: Ihre Schwiegersöhne in spe loszuwerden. Denn ihrer Ansicht nach rennen ihre Töchter (Janina Uhse, Lisa-Marie Koroll und Lara Aylin Winkler) ins Verderben. Einer ihrer Freunde ist ein nach sozialistischen Idealen lebender Aktivist, der Zweite ein Gras-rauchender Taugenichts und der Dritte ein 50-jähriger Aktfotograf. Ein Plan muss her, wie Kalle, Arthur und Yussuf die Freunde loswerden können.

Väter, die um das Wohl ihrer Töchter besorgt sind und deren Schwiegersöhne so gar nicht ihren Erwartungen entsprechen. Die Prämisse erinnert natürlich an die erfolgreiche französische Produktion Monsieur Claude und seine Töchter von 2014. Dennoch gelingt es der im Sommer 2019 in Berlin gedrehten deutschen Komödie, der Materie ein paar neue Facetten abzugewinnen und auf augenzwinkernde, leichtfüssige Weise ebenso ernstere Themen anzusprechen.

Während es Arthur (grossartig als zugeknöpfter, blasierter Advokat: Heiner Lauterbach) um finanzielle Aspekte geht, steckt etwa hinter dem Verhalten von Yussuf eine ganz bestimmte Angst. Ein Gefühl, das viele Eltern nachvollziehen können. Die Furcht vorm Erwachsenwerden der Kinder, dem Auszug, der endgültigen Abnabelung. Humorvoll und mit ironischer Leichtigkeit spielt Rothemund darauf an, wenn Yussuf noch immer die DVD-Abende mit seiner Tochter plant, ihr liebevoll einen Milchshake zubereitet oder sie auf einen Kakao einladen will. Eben „ganz wie früher“.

Auch wenn der Humor im Film zu weiten Teilen stimmig erscheint und es einige zum Schreien komische Szene gibt: Hin und wieder setzt Rothemund auf infantilen, allzu reisserischen Witz. Und übers Ziel hinaus schiesst gelegentlich auch Jürgen Vogel in jenen Szenen, in denen er zu hemmungslosem Overacting neigt, etwa bei seinen cholerischen Tobsuchtsanfällen. Hinzu kommen eine gewisse Überraschungsarmut und Erwartbarkeit bei den Plänen der Schwäger: vom Anwerben einer Prostituierten, Bestechung bis hin zu Fotomontagen.

Dennoch: Die Chemie zwischen den spielfreudigen Darstellern stimmt, und Rothemund garniert seinen temporeich inszenierten Film mit einem stimmungsvollen Soundtrack. Ob Rock (The Black Keys) oder Dance (Robin S.): Passend zur jeweiligen Stimmung der Szene entscheidet er sich für die exakte, die Handlung vorantreibende musikalische Untermalung.

08.10.2020

3.5

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Kommentare

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Patrick

vor 3 Tagen

Unterhaltsame Feelgood Komödie die unser Alltagsleben für 2 Stunden vergessen lässt.Die Darsteller-Leistungen und der Soundtrack des Filmes machen das ganze noch unterhaltsamer.

Zuletzt geändert vor 3 Tagen


Chraebu58

vor 5 Tagen

Naja geht so hatte zwar ein paar lacher überzeugt hat jürgen vogel


thomasmarkus

vor 9 Tagen

Leichtfüssig. Und: Die Männer spuren... So machomässig sie zu dritt ihre Töchter lenken wollen, traben sie selber brav und folgsam bei ihren Ehefrauen an. Gut, dass es dann mal kippt und das ganze unter umgekehrten Vorzeichen durchgespielt wird (nicht das Antraben bei der Gattin, sondern jetzt das Umwerben der zuvor zu Verbrämenden...).Mehr anzeigen


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