Cittadini del Mondo Italien 2020 – 91min.

Filmkritik

Neuanfang mit 70

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Es ist nie zu spät, nochmal von vorn zu beginnen. Das beweisen in der Tragikomödie Cittadini del Mondo drei Rentner, die mit 70 Jahren auswandern wollen.

Attilio (Ennio Fantastichini), Giorgetto (Giorgio Colangeli) und der Professore (Gianni Di Gregorio), drei Rentner aus Rom, wollen ihr altes Quartierleben aufgeben und sich im Ausland niederlassen. Dort hoffen sie, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Trotz ihres Alters wollen sie die Herausforderung angehen. Doch zuvor müssen sie die wichtigste Frage klären: Wo wollen sie überhaupt hin?

Regisseur Gianni Di Gregorio (auch einer der Hauptdarsteller) befasst sich mit unterschiedlichen Aspekten rund um das Thema „Rente“. Es geht um sozialen Abstieg, Altersarmut, Behördenbürokratie und die in hohem Masse zur Verfügung stehende Freizeit mit Beginn der Pension. Mit diesem „Problem“ ist die von Di Gregorio gespielte Figur konfrontiert. Ein früherer Lateinlehrer, der mit seiner Freizeit nicht wirklich viel anzufangen weiss.

Giorgetto hingegen ist stets knapp bei Kasse und nimmt deshalb schlecht bezahlte Fahrerjobs an. Dem ernsten Thema der Altersarmut mit allen Auswirkungen auf die Lebensqualität nähert sich Di Gregorio mit locker-leichtem Witz und augenzwinkernden Dialogen, die immer auch über eine Prise Galgenhumor verfügen. Ausserdem wachsen einem die drei Rentner mit ihren schrulligen Eigenarten schnell ans Herz.

Für den Neuanfang in einem anderen Land benötigen sie vor allem eines: Geld. Die Art und Weise, wie sie an die Finanzspritze gelangen, ist jedoch wenig überraschend. Di Gregorio macht es sich zu einfach und baut hier auf konstruierte Zufälle. Der Sinn und Zweck einiger unausgereift gezeichneter Nebenfiguren erschliesst sich ebenfalls nur bedingt. Darunter Attilios Tochter sowie ein mittelloser Jugendlicher, der aus seiner Heimat Mali nach Italien geflohen ist. Sie alle sind reine Staffage und vor allem letzterer dient einzig dem Zweck, eine am Ende unglaubwürdige Wendung erst möglich zu machen.

Das grösste Problem ist, dass die Protagonisten in ihren Ansichten und Meinungen zu stark schwanken – und damit letztlich die Grundprämisse des Films ad absurdum führen. Denn während wir sie den kompletten Film über beobachten, wie sie letzte Vorbereitungen treffen und ihre Angelegenheiten klären – sie machen finale Gesundheitschecks, versuchen ihr Hab und Gut zu verkaufen, führen klärende Gespräche mit der Familie – fragt man sich als Zuschauer zum Ende, wofür die ganzen Anstrengungen gut waren.

06.03.2020

2.5

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Mehr Filmkritiken

Atlantique

Justice League

Das letzte Buch

Moskau Einfach!