The Informer Grossbritannien, USA 2019 – 113min.

Filmkritik

Das Leben als Spitzel

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Der neue Thriller von Andrea Di Stefano, der als Schauspieler eher zartbesaitete Rollen spielte, mit seinem Regie-Erstling Escobar: Paradise Lost aber schon Gewalt virtuos in Szene setzte, hat einiges, das für ihn spricht. Er leidet aber auch an einer Formelhaftigkeit, der sich die Geschichte nie entziehen kann.

Pete Koslow ist ein Gauner, der auf Bewährung rauskommt – und für das FBI als Spitzel arbeitet. Er soll eine polnische Gang unterwandern, das führt ihn jedoch direkt zurück in den Knast. Denn der General, der die Gang anführt, befiehlt ihm, gegen seine Bewährung zu verstossen und wieder hinter Gitter zu gehen. Dort soll er das Drogengeschäft leiten. Eigentlich will Koslow am liebsten raus, aber auch sein FBI-Kontakt drängt ihn, dem Befehl des Generals zu folgen. Um sicherzustellen, dass er spurt, droht der General auch damit, Koslows Frau und Tochter zu töten, wenn er nicht tut, was ihm befohlen wird.

Der grosse Aktivposten des Films ist Joel Kinnaman, der den Wechsel vom eiskalten, berechnenden Spitzel zum treusorgenden, liebenden Vater immer perfekt illustriert. Man merkt seiner Figur an, dass sie nur aus dieser Tretmühle entfliehen und eine Chance auf Glückseligkeit haben möchte. Er ist jedoch gefangen, und was er auch macht, er versinkt immer mehr in diesem Morast. Common als Polizeiermittler und Ana de Armas als Kinnamans Frau sind ebenfalls gut, ihre Rollen geben aber deutlich weniger her.

Der Plot ist effektiv gestaltet und schafft es sehr gut, die verschiedenen Story-Elemente miteinander zu verbinden. Das lässt den Film geschliffen wirken, es ist aber auch eine Schwäche. Denn die Geschichte selbst ist nicht stark genug, um den Zuschauer in den Bann zu ziehen. Die Formelhaftigkeit, mit der erzählt wird, ist der Fallstrick dieses Films, da man als Zuschauer leider nur zu gut weiss, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Gerade die Gefängnisszenen sind zwar interessant gestaltet, erinnern aber auch an zahlreiche andere Film- und Fernseh-Formate, was dazu führt, dass The Informer sehr austauschbar wird.

Damit einher geht, dass zum Ende hin die Glaubwürdigkeit ganz gewaltig strapaziert wird. Hier erwartet der Film vom Zuschauer, jedwedes logische Denken über Bord zu werfen. Das erweist sich hingegen als schwierig, weil die Kohärenz der Geschichte angegriffen wird und am Ende ein Stückwerk bleibt, bei dem die einzelnen Teile zwar gut sind, sie in ihrem Ganzen aber nie über sich selbst hinauswachsen können.

04.12.2019

2.5

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Kommentare

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Chraebu58

vor 10 Monaten

Megafilm gewesen spannend bis zum schluss hoffen jedoch nicht auf einen 2ten teil
Lassen es so wie es ist....


kritiker71

vor 10 Monaten

solider thriller! ich musste mich sicher drei vier mal am sitz festkrallen vor spannung. interessant ist, dass mal nicht die russen- albaner- oder italo-, sondern die polenmafia im zentrum steht, etwas andere typen als sonst, wobei nicht weniger brutal oder grobschlächtig. einzig kinnaman geht die letzte härte ab, er hat halt ein bisschen ein bubigesicht, wobei er aber trotzdem glaubwürdig bleibt. die knastszenen kommen nicht ganz an den realismus wie bei shot caller ran, Common reissts dann aber wieder raus mit seiner street credibility. und clive owen spielt wieder mal gekonnt den egomanischen drecksack. einer der besseren filme, die ich in letzter zeit gesehen habe, thrillerfans kommen voll auf ihre kosten.Mehr anzeigen


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