Seberg Grossbritannien, USA 2019 – 103min.

Filmkritik

Seberg

Noëlle Tschudi
Filmkritik: Noëlle Tschudi

Wir schreiben das Jahr 1968. Die Schauspielerin und gefeierte Stilikone Jean Seberg (Kristen Stewart) begibt sich in die Staaten, um für eine neue Rolle vorzusprechen– und findet sich schon bald mitten im Kampf der Black-Panther-Bewegung als Aktivistin wieder. Benedict Andrews liefert mit Seberg einen Politthriller, dessen Ausgangslage vielversprechend wirkt, jedoch deutlich mehr Fragen aufwirft als er beantwortet.

Als Jean Seberg für ein Vorsprechen von Paris in die Staaten zurückkehrt und eine Affäre mit dem Bürgerrechtler Hakim Jamal (Anthony Mackie) beginnt, gerät sie in das Visier eines FBI-Überwachungsprogramms, das die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung bekämpft, die sie finanziell unterstützt. Der Jungagent Jack Solomon (Jack O’Connell) soll Seberg beschatten, beginnt seinen Einsatz – je näher er an die verletzliche Frau rankommt – allerdings zu hinterfragen. Aus der illegalen Überwachung ist zu diesem Zeitpunkt jedoch längst eine öffentliche Hetzkampagne geworden, die sämtliche Lebensbereiche der amerikanischen Schauspielerin zu zerstören droht.

Jean Seberg wurde mit ihrer Hauptrolle als Studentin in Ausser Atem zu einer Kultfigur der Nouvelle Vague. Während nur wenige der Filme, in denen sie auftrat, zu einem kommerziellen Erfolg wurden, entwickelten sich Streifen wie «Lilith» oder aber «Die heilige Johanna» zu Filmklassikern. Am 29. August 1979 wurde Seberg an der Premiere des Films «Die Liebe einer Frau» von Costa-Gavras zum letzten Mal lebend gesehen. Ihre unbekleidete Leiche, die sich in eine Decke eingewickelt zwischen Vorder- und Rücksitz ihres Autos befand wurde zehn Tage später von der Polizei gefunden. Zwar wird aufgrund der im Fahrzeug entdeckten Schlaftabletten und eines Abschiedsbriefes Suizid als wahrscheinlichste Todesursache angenommen – doch viele vermuten, dass Seberg durch den amerikanischen Geheimdienst ermordet worden sein soll.

Rund 40 Jahre nach dem Todeszeitpunkt von Jean Seberg wurde Benedict Andrews Politthriller beim Filmfestival von Venedig uraufgeführt. Dass die Geschichte um die Schauspielerin, deren Tod der Öffentlichkeit als Suizid mit “ungeklärten Fragen” präsentiert wurde, einen Platz auf der Grossleinwand verdient hat, ist unbestreitbar. In der Umsetzung aber überzeugt das Filmmaterial von Benedict Andrews nur bedingt.

Die Macher des Politthrillers haben für Seberg aus diversen Quellen geschöpft. Ein stimmiges Endresultat konnte dadurch allerdings nicht gewährleistet werden. Letztlich bringt der Film kaum mehr Licht in die mysteriösen Umstände von Jean Sebergs Lebensende. Als wenig überzeugender Umstand erweist sich auch die Tatsache, dass der Streifen mit einigen rein fiktiven Figuren – wie etwa dem Jungagenten Jack Solomon – unterfüttert wurde, nur um einzelne Aspekte des Films zu überdramatisieren.

Obwohl es Kristen Stewart insbesondere in der zweiten Hälfte des Films gelingt, eine glaubhafte Performance in der Rolle einer Frau abzuliefern, deren Psyche systematisch zerstört wurde, wirkt Seberg aufgrund der Oberflächlichkeit, mit der die Black-Panther-Bewegung gestreift und Jean Seberg beleuchtet wird, wie eine vertane Chance.

13.02.2020

3

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Kommentare

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Patrick

vor 4 Monaten

Subtiles Biopic das auch als packender FBI Thriller daher kommt.Der Darsteller-Cast ist sehr überzeugend,sowie überzeugen Kostüme und die Austattung.Es ist zutiefst erschütternd das *Seberg* auf einer wahren Begebenheiten beruht.Ich habe *Seberg* in Anwesenheit von Kirsten Stewart & Filmemacher B.Andrews am ZFF.2019 gesehen.Für *Seberg* gibt’s von Mir 4.1/2 Sterne von 5.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 4 Monaten


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