Pavarotti Grossbritannien, USA 2019 – 114min.

Pavarotti

Filmkritik

Ein Sänger für die Massen

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Genie, Stimmwunder, Weltstar: Star-Regisseur Ron Howard widmet sich in seinem dokumentarischen Porträt dem Leben und Wirken von Luciano Pavarotti.

Er gehörte zu den „drei Tenören“, verkaufte 26 Millionen Tonträger und sorgte mit seinen Konzerten für die gelungene Verschmelzung von Opern- mit Popmusik: Luciano Pavarotti. Mit seiner unverwechselbaren Stimme brachte er es zu Weltruhm, den er später für seine zahlreichen Benefizprojekte nutzte. 2007 starb Pavarotti im Alter von 71 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Hollywood-Regisseur Ron Howard (Apollo 13, Illuminati) setzt dem begnadeten Künstler mit„Pavarotti“ ein filmisches Denkmal.

Über zwei Stunden nimmt sich Howard Zeit, um dem ereignisreichen Leben des grossen Sängers nachzuspüren. Wobei der Schwerpunkt klar auf dem künstlerischen Aspekt liegt. Sein episch anmutender Film besteht aus einer Fülle an Konzert-Ausschnitten und Arien, ergänzt durch Interviews (mit Managern, Journalisten und Musikerkollegen wie Bono von U2) sowie rare Familienfotos aus dem Privatarchiv von Pavarottis Familie.

Dabei sind es vor allem die mitreissenden Aufnahmen der „drei Tenöre“ und die emotionalen Konzertszenen mit Künstlern der Populärmusik, die eines verdeutlichen: Pavarotti sprengte die Grenzen der klassischen Musik und Gesangskunst und machte die Oper damit auch für Menschen interessant, die mit dieser Form des Musiktheaters bis dahin nichts anfangen konnten. „Pavarotti wurde zu einem globalen Rockstar“, sagt einer der Interviewten. Am spannendsten ist Pavarotti, wenn er den in der Öffentlichkeit stets fröhlich und mit einem ansteckenden Lächeln auftretenden Künstler als Mensch mit Schwächen und Ängsten zeigt.

Denn der Italiener litt vor jedem Auftritt unter grossem Lampenfieber. Für den Zuschauer offenbart sich dies etwa in einem dramatischen und sehr intimen, Backstage mit der Kamera eingefangenen Moment: Er zeigt Pavarotti wenige Sekunden vor einem Live-Auftritt. Zweifelnd und mit sich hadernd, völlig aufgelöst und im Würgegriff belastender Versagensängste hört man ihn sagen: „Ich sterbe.“

Das grosse Problem des Films ist, dass Howard offensichtlich zu viel Respekt und Ehrfurcht vor der Privatperson Pavarotti besitzt. Denn dem Privatleben des Stimmwunders schenkt der Regisseur viel zu wenig Beachtung. Dasselbe gilt für Pavarottis persönliche Verfehlungen und familiäre Krisen (die Scheidung von seiner Frau, das schwierige Verhältnis zu den drei Töchtern, die zahlreichen Affären), über die man mehr hätte erfahren müssen, um sich ein vollständiges, komplettes Bild von der komplexen Person Pavarotti machen zu können. Alles in allem huldigt Howard seinem Porträtierten auf zu übertriebene, einseitige und noch dazu wenig kritische Art und Weise.

01.10.2019

3

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Kommentare

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glatz1

vor 2 Tagen

Großartig, der Tenor, der Ehemann, Vater...die Musik !


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