Judy Grossbritannien 2019 – 118min.

Filmkritik

A Star is reborn

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Ein Star ist wieder geboren – so war es nach der britischen Premiere des Films überall zu lesen. Besser könnte man Judy in einer Quintessenz auch nicht zusammenfassen. Denn dieser Film, der sich mit den letzten Monaten von Judy Garland befasst, ist vor allem wegen Renée Zellweger ein Triumph.

Nicht nur hat sie mehr als ein Jahr trainiert, um gesanglich an Garland heranzureichen, ihr gelingt auch der Spagat zwischen einer liebevollen Mutter und einer Frau, die von Selbstzweifeln zerfressen ist, die es aber auch immer wieder auf die Bühne drängt. Zellweger spielt das beeindruckend, inklusive der erratischen Mikrobewegungen, die nach langer Sucht auftauchen. Garland hat nicht nur getrunken, seit ihrer Kindheit war sie nach Barbituraten süchtig.

In Rückblicken wird gezeigt, wie das Studio-System Hollywoods Schauspieler verschlissen hat. Die Filme wurden in extremer Geschwindigkeit produziert und Schauspielerinnen wie Garland erhielten Appetitzügler, damit sie schön dünn blieben, Schlafmittel, um abends abschalten zu können und Aufputschmittel, damit die danach folgenden langen Tage durchgehalten werden.

Der Film spielt im London des Jahres 1968: Judy Garland kommt nach England, zu einer Zeit, als ihr Ruhm in den USA schon am Abklingen war, ihr Glanz in Europa aber noch galt. Auf die Bühne zu gehen verlangt ihr alles ab: Die gut 30 Jahre, in denen sie von Tabletten und Alkohol abhängig war, fordern ihren Tribut. Trotzdem träumt sie nach wie vor von der Bühne, ist dort vielleicht am lebendigsten überhaupt. Doch ihre Probleme verfolgen sie bis nach London…

Die Regie des Films übernahm Rupert Goold, der in erster Linie als Regisseur fürs Almeida Theatre in London tätig ist, bisweilen aber auch Filme inszeniert. Für ihn war Zellweger die Traumbesetzung. Er überzeugte sie auch, die Songs selbst zu singen: „Ich habe mit Renée besprochen, dass ich nicht nach einer Imitation von Judys unnachahmlicher Stimme Ausschau halte. Und sie hat uns alle umgehauen und die Songs zu ihren eigenen gemacht.“

Judy ist ein prächtig inszenierter, warmherziger, aber auch melancholischer Film, war das Ende für Judy Garland doch alles andere als schön. Sie starb im Alter von nur 47 Jahren an einer Überdosis Schlaftabletten. Dieser Film setzt ihr ein schönes Denkmal und zeigt eindrucksvoll, welch verschleissende Maschinerie Hollywood einst war und heute vielleicht noch immer ist. Er feiert das alte Hollywood nicht, er klagt es an – und das neue Hollywood dürfte dem mit einigen Oscar-Nominierungen Respekt zollen. Für Zellweger könnte Judy nach Cold Mountain den zweiten Goldjungen bringen.

27.12.2019

4

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Kommentare

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flashgordon99

vor 6 Monaten

Für mich eine absolut positive Überraschung des vergangenen Jahres. Rene Zellweger spielt alle an die Wand. Traurige Geschichte von Judy Garland und ein deutlicher Fingerzeig nach Hollywood. Keine Sekunde langweilig, übertrieben oder kitschig. Cool!


kayenta

vor 8 Monaten

Renée Zellweger spielt einfach umwerfend.


Schaggson

vor 8 Monaten

Eine zutiefst tragische Geschichte mit einer absoluten Spitzenleistung von Renée Zellweger, einfach unglaublich!


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