Greener Grass USA 2019 – 95min.

Greener Grass

Filmkritik

Überbordende Satire über das Vorstadtleben

Filmkritik: Locarno Film Festival

Fussballmütter sind den Regisseurinnen von Greener Grass nicht schreckenerregend genug. In ihrem ersten Langspielfilm verweben Jocelyn DeBoer und Dawn Luebbe Vorstadtsatire und Horrorgenre und schlüpfen gleich selbst in die Hauptrollen der trashigen Hausfrauen.

In einer idyllischen Nachbarschaft treibt ein Serienmörder sein Unwesen – die Vorstellung von Flecken auf dem Sitzpolster des Golfwagens ist den Freundinnen Jill (Jocelyn DeBoer) und Lisa (Dawn Luebbe) jedoch weit ungeheurer. Sie widmen ihr Leben abgestimmten Outfits, kulinarischen Glanzpunkten und Höchstleistungen der Kinder. Dieses Setting à la Desperate Housewives ist bis ins Groteske gesteigert.

Nicht nur zieren Zahnspangen als Sinnbild für die hier herrschende Optimierungswut ausnahmslos jedes Erwachsenengebiss, auch wird das eigene Baby vor lauter Zwang zur Nettigkeit kurzentschlossen als kleines Geschenk der Freundin überreicht. Nicht ohne Bedauern: Die Detailaufnahme des breiten Lächelns offenbart ein reuiges Zittern in den perfekt geschminkten Mundwinkeln. Doch tiefe Emotionen sind in diesem amerikanischen Alptraum definitiv nicht zu goutieren.

Greener Grass läutete 2019 die Crazy Midnight-Reihe des Locarno Film Festival auf der Piazza Grande ein – und dies zu Recht! Was zu Beginn wie eine vergnügliche Satire über Soccer-Moms und Snowflake-Kids erscheint, wird mit unheimlicher Absurdität angereichert und entpuppt sich zum Schluss als eine kleine Horrorkomödie. Kinder verwandeln sich in Hunde, Fussbälle werden fürs Familienfoto in hübschen Hemdchen auf dem mütterlichen Arm arrangiert und immer wieder ist im Off ein Stalker spürbar.

Die Figurenzeichnung gelingt DeBoer und Luebbe als ehemalige Stand-up-Comedians natürlich problemlos. Die sich ständig übertrumpfenden Gags sind aber etwas gar atemlos zusammengestellt und dicht an dicht reihen sich auch die popkulturellen Referenzen. Hier trifft Barbie auf Stepford Wives auf Twin Peaks. Das ist bisweilen vergnüglich und mag ganz im Sinne des Sujets der krankhaft kompetitiven Gemeinschaft in einer Welt des Überflusses gemeint sein – doch wie die gleichnamige Kurzfilmversion von 2015 beweist, würde eine etwas gemässigtere Überdosis dem repetitiven Charakter entgegenwirken.



13.08.2019

2.5

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