Le Mans 66: Gegen jede Chance USA 2019 – 152min.

Le Mans 66: Gegen jede Chance

Filmkritik

So rasant wie ein Rennen

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Christian Bale sollte eigentlich in Michael Manns kommendem Film Ferrari den Gründer Enzo Ferrari spielen, stieg aus dem Projekt jedoch aus, weil er glaubte, er könnte bis zum Drehstart nicht das notwendige Gewicht zulegen. Nun spielt er in Le Mans 66 den Rennfahrer Ken Miles, der mit einem Ford den Boliden von Ferrari beim legendären 24-Stunden-Rennen auf die Pelle rückt.

Die Automarke Ford steckt in der Bredouille. Ihr fehlt es an Coolness. Etwas, das man mit einem eigenen Rennteam und einem entsprechenden Wagen erreichen will. Dafür wird der Sportwagendesigner Carroll Shelby angeheuert, der wiederum den Weltklassefahrer Ken Miles hinzuzieht. Das ungleiche Team muss sich aber nicht nur mit der inkompetenten Einmischung der Chefetage herumschlagen, sondern bei der Entwicklung des Rennwagens auch an die Grenzen dessen gehen, was physisch machbar ist. Das Ziel ist dabei klar: Ferrari beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans schlagen!

Bale ist der eigentliche Star in James Mangolds Film. Denn die Rolle des unangepassten, sich damit aber auch selbst immer wieder behindernden Rennfahrers Ken Miles ist die deutlich knackigere. Sein Kollege Matt Damon, der den Designer und ehemaligen Rennfahrer Carroll Shelby spielt, kann da nicht mithalten. Weil die persönliche Geschichte der Figur nichts hergibt, aber auch, weil der Konflikt mit den Anzugträgern natürlich weniger dynamisch ist als ein extrem schnelles Wettrennen. Eine grossartige Szene gibt es für Damon aber schon. Als er nämlich Henry Ford II. erklärt, wieso man verloren hat und was dieser tun muss, damit sich das ändert.

Mangold setzt auf eine sehr klassische Erzählweise und hakt dabei die für diese Geschichte notwendigen Stationen ab. Das ist gefällig, vielleicht jedoch auch einen Tick weit weniger originell, als man sich das wünschen würde. Aber es funktioniert, denn der Film vermag über die enorme Laufzeit von gut zweieinhalb Stunden zu unterhalten, ohne je in Leerlauf zu verfallen. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Konflikte sind gut genug, um für ordentliches Drama zu sorgen, und der Film ist immens schön. Er lässt nicht nur den Chic der 1960er-Jahre wiederauferstehen, sondern verleiht der Rennfahrerszene jenes Jahrzehnts auch einen besonderen Glanz.

Das macht den Film optisch zum Genuss. Inhaltlich ist er frei von Makeln und die Art gelungener Unterhaltung, bei der es nicht mal notwendig ist, ein Faible für das Rennfahren zu haben. Weil sich die Leidenschaft der Figuren auch auf die Zuschauer überträgt und man mitfiebert, ob der Sieg über Ferrari gelingt.

05.10.2019

4

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