Dem Horizont so nah Deutschland 2018 – 117min.

Dem Horizont so nah

Filmkritik

Lieben, solange man kann

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Jessica Kochs Roman «Dem Horizont so nah» war zuerst als E-Book, dann auch als Printausgabe ein Bestseller, was wohl auch daran lag, dass sie nicht nur den Nerv der Leser traf, sondern sie mit ihrer authentischen Lebensgeschichte zu begeistern verstand. Denn Koch erzählt von ihrer ersten grossen Liebe, die tragisch endete. Ein Stoff, an dem Filmproduzenten interessiert sind, und das sicherlich auch, weil Werke wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter oder Me Before You erfolgreiche Verfilmungen tragischer Romanzen waren.

Es ist das Jahr 1999: Jessica (Luna Wedler) lernt den etwas älteren Danny (Jannik Schümann) kennen, der als Model arbeitet, als Profi-Kickboxer gross rauskommen könnte – und sich in sie verliebt. Für Jessica beginnen wunderbare Tage: Sie schwebt auf auf Wolke Sieben. Mit der Zeit verdichten sich jedoch die Hinweise, dass der unwiderstehliche Danny ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt.

So authentisch die Geschichte auch sein mag, im Kontext des Films wirkt sie etwas überzogen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass beim Kondensieren der 500-Seiten-Vorlage einiges weichen musste. Was blieb, funktioniert dann eben nach dem fiktiven Muster der Romane von John Green oder Jojo Moyes. Das authentische Alleinstellungsmerkmal ist nicht wirklich spürbar. Dazu kommt eine gewisse, fast schon typische deutsche Verbissenheit, wo amerikanische Stoffe derartige Geschichten mit weit grösserer Leichtigkeit erzählen, weil sie verstehen, dass es in all der Tragik auch immer etwas zu lachen gibt.

Das geht hier ein bisschen unter – Dem Horizont so nah funktioniert als tragische Romanze aber dennoch, was einerseits daran liegt, dass die Klaviatur der Gefühle sehr schön bedient wird, andererseits aber auch den beiden hervorragenden Hauptdarstellern zu verdanken ist. Jannik Schümann hat die Gelegenheit, gegen sein Schönling-Image anzukämpfen und eine Figur mit etwas mehr Tiefe darzustellen, während die Schweizerin Luna Wedler mit ihrem differenzierten Spiel einmal mehr unter Beweis stellt, warum sie zu den aufregendsten Schauspielerinnen ihrer Generation gehört.

Jessica Koch hat noch zwei weitere Romane der so genannten Danny-Trilogie geschrieben. Prequels, die sich mit Dannys Kindheit beziehungsweise Jugendjahren beschäftigen. Das ist Material, das auch im Film angesprochen wird. Das ausführliche Ausarbeiten erscheint entsprechend redundant – bei Erfolg haben die Filmemacher aber natürlich Material für weitere Filme, auch wenn bei diesen auf Luna Wedler verzichtet werden müsste. Gerade das dürfte für jeden weiteren Film ein herber Verlust sein.

07.10.2019

3.5

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