Woman at War Frankreich 2018 – 101min.

Woman at War

Filmkritik

Einsam in den Kampf

Julian Gerber
Filmkritik: Julian Gerber

Dass die Isländer nicht nur in Sachen Musik immer wieder eigene Wege gehen und damit Erfolg haben, beweist Filmemacher Benedikt Erlingsson, der mit A Woman at War ein skurrile und zugleich dramatische Komödie abliefert, die mit starken Bildern und einer herausragenden Hauptdarstellerin überzeugt.

Halla ist eine 50-jährige Umweltaktivistin – doch wie die meisten von ihrem Schlag begnügt sie sich nicht damit, Transparente zu malen und an Demonstrationen teilzunehmen. Bekannt als "The Woman of the Mountain" verübt sie Straftaten im Namen der Natur, die von Vandalismus bis hin zur Industriesabotage reichen. Als ihr ausstehender Adoptionsantrag endlich angenommen wird, ahnt sie, dass sich ihre radikalen Aktionen und ihr zukünftiges Dasein als Mutter nicht vereinbaren lassen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf bricht sie auf zu ihrer letzten gewagten Mission im Dienste der Umwelt.

Woman at War ist ein Film, der getragen wird von seiner exzellenten Hauptdarstellerin Halldóra Geirharðsdóttir, die nicht nur die sturköpfige, eigenwillige Aktivistin Halla spielt, sondern auch deren esoterisch angehauchte Zwillingsschwester Asa. Geirharðsdóttir spielt stets mit genügend Ernsthaftigkeit, um die Anliegen ihrer Figuren glaubhaft zu vermitteln – dennoch wird Hallas taffe und unnahbare Fassade immer wieder durchbrochen. So spielt der Film mit den Gegensätzen, die sich durch Hallas anonyme Identität als “Woman of the Mountain” und ihrem Alltags-Ich ergeben. In einer herrlich skurrilen Szene führt sie zuerst als Umweltaktivistin eine ihrer Aktionen durch, bevor sie direkt danach als gewöhnliche Chorleiterin eine Probe dirigiert. Wirkt sie in gewissen Momenten rücksichtslos und egoistisch, offenbart sich gegen Ende ihre nachdenklichere Seite, und es plagen sie Gewissensbisse, die durch die bevorstehende Adoption hervorgerufen werden.

Nebst einer überzeugenden Besetzung punktet der Film mit starken Bildern, welche die raue Natur in den Mittelpunkt des Geschehen rücken. Wenn sich Halla auf ihren illegalen Streifzügen vor der Polizei verstecken muss, scheint es, als würde sie eins mit der Natur, die durchaus auch ihre feindliche Seite erahnen lässt. Im Film tauchen immer wieder Begleitmusiker und ein ukrainischer Chor auf, welche die Szenen musikalisch untermalen. Wie bei den alten Griechen kann dieser Chor sowohl das Publikum, als auch die Heldin der Geschichte adressieren. Ein belebendes Stilmittel, welches jedoch zu inflationär benutzt wird, weshalb der Effekt im Verlaufe der Geschichte verblasst. Auch die Story hält einige abstruse Wendungen bereit, die man dem Film jedoch gerne verzeiht. Woman at War ist ein visuell umwerfender Film, der es schafft, eine gesellschaftliche Problematik aufzugreifen, ohne belehren zu wollen – und viel wichtiger: ohne an Unterhaltungswert einzubüssen.

08.11.2018

4.5

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Kommentare

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nick74

vor 10 Tagen

Sehr gut, volle Punktzahl


gimir

vor 14 Tagen

Skandinavischer Humor vom Feinsten. Halla ist eine sympathische und charmante Isländerin, die auf einfallsreiche Art ihren Kampf als Umweltaktivistin durchführt. Eine Art Skandinavische Robin Hood für Mutter Erde.


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