Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes USA 2018 – 96min.

Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes

Filmkritik

Werbefilm für die katholische Kirche

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Wim Wenders begleitet das Oberhaupt der katholischen Kirche um die Welt und lässt ihn seine Botschaften verkünden. So beeindruckend die Persönlichkeit Franziskus‘ ist, so sehr lässt der Film Objektivität vermissen.

Der Heilige Vater wird in Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes von einem Filmteam unter anderem nach Jerusalem oder zu den Vereinten Nationen begleitet und äussert sich zu den drängenden Fragen unserer Zeit. Es geht um Migration, die wachsende soziale Ungleichheit, Armut, Krieg und die Reform der Kirche. Franziskus blickt bei der Beantwortung der Fragen in die Kamera und wendet sich damit ganz direkt an den Zuschauer.

Wim Wenders ist den meisten als Regisseur von Klassikern wie Paris, Texas oder Der Himmel über Berlin bekannt. Seit einigen Jahren jedoch widmet sich der 72-Jährige verstärkt dem Dokumentarfilm. Mit Erfolg: So wurde etwa Das Salz der Erde (2014) mit Preisen überhäuft und mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Persönlich steht Wenders der katholischen Kirche sehr nah. Er ist streng gläubig und zweifacher Ehrendoktor der Theologie.

Keine Frage, im Zentrum des Films steht eine starke, authentische Persönlichkeit, der man gerne zuhört. Reflektiert, ruhig und überlegt äussert sich Franziskus zu den wichtigen gesellschaftlichen Fragen und man nimmt ihm das Gesagte durchaus ab. Denn Franziskus predigt nicht nur Enthaltsamkeit und Bescheidenheit, er lebt es auch selbst: So verzichtet er zum Beispiel auf exquisite Limousinen, teure Roben oder eine prachtvolle Villa. Eine gute Idee war es auch, Franziskus die sogenannte „Vierte Wand“ durchbrechen, ihn also direkt zum Kinobesucher sprechen zu lassen. Das schafft Unmittelbar- und Dringlichkeit.

Doch ein charismatischer, bemerkenswerter Porträtierter macht leider noch keinen guten Film. Das grösste Problem ist, dass Wenders ein grosser Bewunderer von Franziskus ist, und man dies dem Film jederzeit anmerkt. Dem Regisseur fehlt es am nötigen Abstand und der erforderlichen Objektivität. Kritische Töne oder unangenehme Fragen an Franziskus etwa zu den Themen Homosexualität, Empfängnisverhütung oder Abtreibung – all dies lässt Ein Mann seines Wortes schmerzlich vermissen oder nur vereinzelt am Rande anklingen.

Stattdessen wirkt die Doku zu oft wie ein PR-Film für den Heiligen Vater und die katholische Kirche. Eigentlich kein Wunder, wurde sie doch vom Vatikan mitproduziert. Zu sehen sind unter anderem unzählige pathetische Aufnahmen, die Franziskus im Bad einer ihm zujubelnden Menge zeigen. Oder wie er mitfühlend und andächtig inmitten kriegszerstörter Häuser oder an Krankenbetten steht. Das ist, wie erwähnt, durchaus glaubhaft – aber für eine sachliche, dokumentarisch durchdachte Auseinandersetzung mit einem Thema viel zu wenig.

08.06.2018

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Kommentare

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Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes 4

thomasmarkus

vor einem Tag

Dank etwas Skepsis im Vorfeld nun positiv überrascht - über den Papst, nicht über dem Film.

Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes 5

martin_piergies

vor 5 Tagen

Ausgezeichnet und berührend!

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