Narziss und Goldmund Deutschland 2018 – 119min.

Filmkritik

Starke Gefühle, unterdrückte Wünsche

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky (Die Fälscher) verwandelt Hermann Hesses weltberühmte Erzählung in einen bildgewaltigen, ziemlich düsteren Ausstattungsfilm über Freundschaft, Freiheitsverlangen und die Suche nach dem einen, absolut erfüllenden Lebensweg.

Einst lernten sich im Kloster Mariabronn der scharfsinnige Narziss (Oskar von Schönfels) und der künstlerisch begabte Goldmund (Jannis Niewöhner) kennen. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit entstand zwischen den Jungen eine Freundschaft. Doch im Laufe der Jahre (als Erwachsene: Sabin Tambrea & Jannis Niewöhner) entwickelten sich ihre Lebensgeschichten anders.

Während sich Narziss dem Klosterleben und ganz dem asketischen Dasein verschrieb, zog der getriebene Goldmund hinaus in die Welt. Jahre später treffen die beiden wieder aufeinander: am Ort ihrer Jugendfreundschaft, im Kloster Mariabronn. Doch die anderen Mönche stehen Goldmunds Rückkehr ablehnend gegenüber. In den Augen einiger ist er vom Weg – und vom Glauben – abgekommen.

Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse verfasste sein im Mittelalter angesiedeltes Werk zwischen 1927 und 1929. Ebenfalls einige Jahre zogen sich die Vorbereitungen des Films hin. Als im Sommer 2018 die erste Klappe in Österreich fiel, hatte Ruzowitzky schon vier Jahre an der Drehbuchadaption gearbeitet.

All die Mühen haben sich nur zum Teil gelohnt. Denn Narziss und Goldmund ist vor allem ein Film geworden, dem üppige Dekors, aufwändige Kulissen und eine dunkel-unheilvolle Optik (etwa in den Klosterszenen) wichtiger erscheinen als Figurenzeichnung und Dramaturgie. Visuell erinnert das Werk bisweilen an verschwenderisch-opulentes Ausstattungskino, auch in den blutigeren Szenen und düsteren Momenten.

Hier hält sich Ruzowitzky nicht zurück und mutet dem Betrachter einiges zu. Man sieht von Schmutz übersäte, muskelbepackte Männer, sinnlich-erotisches Gebaren, viel nackte Haut (Niewöhner stellt seinen gestählten Körper etwas zu oft zur Schau), verschandelte Leichen und von der Pest dahingeraffte Landarbeiter. Einen krassen, aber ungemein dringlichen Kontrast dazu bildet die innige Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren. Die homoerotischen Gefühle zwischen Goldmund und Narziss (hingebungsvoll: Sabin Tambrea) klingen hier nie so stark an wie in Hesses Vorlage, dennoch wird schnell klar, dass die Beiden niemals ohne einander können.

Nicht immer erschliessen sich einem die Verhaltensweisen des unruhigen, fast fiebrig auftretenden Goldmund. Er ist überemotional und schwankt in seinen Entscheidungen. Dies strengt ebenso an wie seine beständige innere Zerrissenheit. Dramaturgisch verläuft der Film zudem in gewohnten, wenig überraschenden Bahnen. Die meiste Zeit über erfahren wir in Rückblenden von Goldmunds (nicht immer allzu spannenden) Abenteuern.

06.03.2020

3

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