Le meilleur reste à venir Frankreich 2018 – 117min.

Filmkritik

Gemeinsam durch dick und dünn

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Ein grosses Missverständnis sorgt in Matthieu Delaportes und Alexandre de La Patellières Tragikomödie Le meilleur reste à venir dafür, dass sich zwei grundverschiedene Freunde im Angesicht des Todes gegenseitig stützen wollen. Seine arg konstruierte Prämisse kann der Film zwar nie verschleiern. Die beiden beherzt aufspielenden Hauptdarsteller gleichen die recht formelhaft gebaute Geschichte aber etwas aus.

Arthur (Fabrice Luchini) und César (Patrick Bruel) sind seit ihrer Jugendzeit befreundet, könnten allerdings nicht unterschiedlicher sein. Hat sich Ersterer zu einem spiessigen Pedanten entwickelt, der seine Umwelt mit seinen Ratschlägen schon mal zur Weissglut treibt, ist Letzterer ein Lebemann, wie er im Buche steht. Ohne Rücksicht auf Verluste kostet César sein Dasein aus und bringt sich damit regelmässig in Bedrängnis. Als seine Wohnung und sein Wagen gepfändet werden und er nach einem Unfall ärztliche Hilfe braucht, steht ihm sein alter Weggefährte in der Notaufnahme bei und leiht ihm für die Behandlung seine Versichertenkarte.

Nur wenig später sieht sich der Inhaber der Karte mit einer erschütternden Nachricht konfrontiert: César hat Lungenkrebs im Endstadium. Eigentlich will Arthur seinem rastlosen Kumpel die Diagnose so schnell wie möglich mitteilen. Doch dieser berichtet ihm plötzlich freudestrahlend von einer unerwarteten Neuigkeit. Arthur ist danach derart überrumpelt, dass César sein Gestammel gänzlich missinterpretiert und seinen Freund für sterbenskrank hält. Während Arthur es nicht fertigbringt, den Irrtum zu beseitigen, möchte César dem vermeintlich Todgeweihten die letzten Monate so angenehm wie möglich machen und überredet ihn zu einer Unternehmungstour.

In ihrer zweiten gemeinsamen Regiearbeit setzen Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière, die mit Der Vorname (Vorlage der gleichnamigen deutschsprachigen Komödie) im Jahr 2012 einen Hit in den französischen Kinos landeten, auf die Kraft etablierter Buddy-Movie-Elemente und den Witz, der immer wieder aus dem zugrunde liegenden Missverständnis entsteht. Reibereien sind angesichts der gegensätzlichen Charaktere unausweichlich. Zugleich gibt es aber auch Raum für leise Momente, die zeigen, warum die beiden so ungleichen Hauptfiguren einst zu Freunden wurden.

Auf dem Weg zum erwartungsgemäss rührseligen Finale bieten die auch für das Drehbuch verantwortlichen Regisseure einige schöne Szenen auf. Die Konstruiertheit ihrer Geschichte scheint dennoch ständig durch. In manchen Momenten möchte man Arthur am liebsten packen und kräftig schütteln, weil er auch wirklich jede Gelegenheit verstreichen lässt, das grosse Missverständnis aufzuklären. Darf man einem nahestehenden Menschen, weil man ihn schonen will, eine tödliche Erkrankung vorenthalten? Oder zeichnet sich Freundschaft nicht gerade dadurch aus, dass man schonungslos ehrlich sein kann? Eben diese Fragen schwingen in der Verwechslungsposse permanent mit. Die Verrenkungen, mit der die Macher die Enthüllung hinauszögern, nehmen irgendwann allerdings absurde Formen an.

Obwohl die Glaubwürdigkeit phasenweise strapaziert wird und so manche Wendung – etwa ein kurzer Streit im Mittelteil – stark nach erzählerischer Konvention riecht, entwickelt sich Le meilleur reste à venir nicht zu einem Reinfall. Zu verdanken ist dies vor allem Fabrice Luchini und Patrick Bruel, die dem Publikum mit ihrer Leidenschaft und Spielfreude das Gefühl vermitteln, zwei Menschen zu beobachten, die trotz aller Gegensätze eine echte, langjährige Vertrautheit verbindet.

01.09.2020

3

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Kommentare

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Taz

vor 20 Tagen

Schöner Film, der ein ernstes Thema mit viel Humor und Herz angeht. Das Star-Duo bietet tolle Verkörperung der Figuren und trägt dazu bei, dass man sich über einen grossen Zeitraum des Films wunderbar amüsiert. Die Schwierigkeit, den Film dann sauber zu Ende zu bringen, konnte jedoch nicht genügend gelöst werden.Mehr anzeigen


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