Le Jeu Frankreich 2018 – 90min.

Le Jeu

Filmkritik

Nichts zu verbergen - oder?

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Sieben Freunde, die sich seit langem kennen, werden bei einem gemeinsamen Dinner zu „Perfect Strangers“ – ein Abend voller Irritationen, unfreiwilliger Outings und mutiger Bekenntnisse.

Eigentlich sollte es ein gemütlicher Abend unter alten Bekannten (unter anderem Bérénice Bejo, Suzanne Clément) werden: Drei Paare und ein „ewiger Single“ treffen sich zum Abendessen, um in Erinnerungen zu schwelgen. Doch aus Langeweile entscheidet man sich für ein ausgefallenes Spiel. Die Regeln: Alle Anwesenden müssen ihr Smartphone auf den Tisch legen und jede SMS, jeden Anruf und alle Social-Media-Messages offen legen. Je länger das Experiment dauert, desto gereizter wird die Stimmung.

Le jeu ist das Remake des italienischen Comedy-Dramas Perfect Strangers von 2016. In den letzten Jahren gab es bereits eine türkische und eine südkoreanische Neufassung. Der Film wurde vom Franzosen Fred Cavayé inszeniert, der mit seinen Drehbüchern zu Suspense-Thrillern wie Point Blank und 72 Stunden bekannt wurde.

Die Botschaft ist klar: Mobile Kommunikationsmittel und digitale Medien wie Facebook & Co. dienen hervorragend dazu, den eigenen Sehnsüchten nachzugehen, „verbotene Kontakte“ zu pflegen oder ein geheimes Doppelleben zu führen. Nach und nach kommen in Le jeu all jene Geheimnisse der Protagonisten auf den Tisch. Gut ist, dass sich Cavayé über 20 Minuten Zeit nimmt, bis er das Spiel beginnen lässt. Zuvor führt er die Teilnehmer, die fast alle zwischen 45 und 55 Jahre alt sind, sorgsam ein.

Überhaupt ist es positiv, dass es sich bei den Protagonisten nicht um Teenager oder junge Erwachsene handelt, die häufig Filme dieser Machart bevölkern. Doch so spannend die Grundprämisse ist, so wenig überraschend gestalten sich letztlich die Enthüllungen der Anwesenden. So geht es – so viel sei verraten – fast ausschliesslich um Schlüpfriges und Sexuelles. Inhaltliche Vielfalt sieht anders aus. Die Frage ist zudem, wie authentisch sich der Verlauf des Spiels gestaltet. Denn es ist wenig glaubhaft, dass die Personen (gefühlt) im Sekundentakt – und noch dazu spät Abends – abwechselnd von ihren Affären, Eltern, Ärzten und Arbeitskollegen angerufen und mit SMS bombardiert werden.

Doch dann nimmt Cavayé seinem kammerspielartig-inszenierten Film (der fast komplett in der Wohnung des einen Paares spielt) den Wind aus den Segeln. Was positiv gemeint ist. Der finale Twist erscheint für den ein oder anderen vermutlich wie ein weichgespültes Ende, um den Kinobesucher mit einem wohligen Gefühl zu entlassen. Insgeheim aber verdeutlicht der mutige Schluss einmal mehr, dass es gar nicht verkehrt ist, wenn einige unserer Geheimnisse im Verborgenen bleiben – notfalls, um die schillernde Fassade für eine gewisse Zeit aufrecht zu erhalten.

13.06.2019

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