Gringo USA 2018 – 143min.

Gringo

Filmkritik

Wer ist eigentlich der Gringo?

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Ein Film, so voller Klischees, Vorurteile und schlechtem Geschmack, dass man sich beim Anschauen ständig fragt, was eigentlich all diese Stars in Gringo machen.

Harold (David Oyelowo) ist ein Amerikaner mit nigerianischer Abstammung, der in einem Pharmakonzern in Chicago arbeitet und von seinem Chef Richard (Joel Edgerton) als Fussmatte benutzt wird. Wenn Richard etwas verbockt hat, wird Harold zum Sündenbock gemacht, und zum Dank schläft der Boss mit Harolds Frau Bonnie (Thandie Newton). Ebenfalls in der Chefetage werkelt Elaine (Charlize Theron), eine krankhaft ehrgeizige Geschäftsfrau, die sich die Karriereleiter hinaufschläft. Gemeinsam wollen sie das nächste Viagra entwickeln, eine Cannabis-Pille, die von einem illegalen Drogenkartell in Mexiko hergestellt wird. Als die beiden Harold auf einem seiner Routinebesuche der Fabrik südlich der Grenze begleiten, nimmt sein Leben eine drastische Wende.

Gringo wird als schwarze Komödie à la Hangover angepriesen, verfehlt sein Ziel aber bei weitem. Dieser Film ist plakativ, anstössig, sexistisch und beladen mit Vorurteilen aller Art. Die blinde Loyalität des Afroamerikaners gegenüber dem Schleimbeutel Richard ist so naiv, dass sie schon fast als peinliche Unterwürfigkeit rüberkommt. «Richard ist doch mein Freund», flötet Harold blauäugig, als sein Anlageberater ihn darauf aufmerksam macht, dass Richard ihn übers Ohr hauen, die Firma verkaufen und ihn auf die Strasse setzen könnte. Oyelowo sah diese Rolle offenbar als seine Chance, sich im komischen Fach zu üben. Sein schauspielerisches Können allein sorgt beim Publikum für ein oder zwei schwache Lacher.

Fast noch anstössiger als Harold ist Elaine, eine psychotische Karikatur eines Powerweibs, die nur in von Männern ausgedachten Filmen existiert und im Zeitalter der #MeToo-Bewegung noch widerwärtiger wirkt als zuvor. Sie benutzt Sex, um ihre Karriere zu fördern, zieht mit ihrem Lästermaul über alle und jeden her, um sich selber besser fühlen zu können und lobt Neil Armstrong, den ersten Mann auf dem Mond, weil er den Astronauten Buzz Aldrin zur Seite geschubst hat und damit «die Geschichte bei den Eiern gepackt hat».

Der grösste Übeltäter von Gringo ist aber das widersinnige Drehbuch von Matthew Stone und Anthony Tambakis, das alle Mexikaner als Kriminelle darstellt und Frauen entweder als Huren wie Elaine oder Madonnen wie Sunny (Amanda Seyfried), eine Touristin, die den angeschlagenen Harold gesund pflegt, sieht. Hinzu kommt, dass die Geschichte über eine Cannabis-Pille keinen Sinn mehr macht, da Marihuana auf Rezept fast überall in den USA legal und in allen erdenklichen Pillen, Tinkturen oder Süssigkeiten zu haben ist. Regisseur Nash Edgerton, seines Zeichens Joel Edgertons Bruder und wohl der Grund für die hochkarätige Besetzung, trifft für eine schwarze Komödie nie den richtigen Ton. Gringo erinnert an einen in Hollywood populären Spruch:Niemand versucht absichtlich, einen schlechten Film zu machen.



05.04.2018

2

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Kommentare

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navj

vor 6 Monaten Exzellent

Bosse von Pharmaunternehmen, Drogenhändler und andere Verbrecher so in etwa lässt sie die verworrene Action-Komödie bestens beschreiben. „Gringo“ lebt in erster Linie vom immer weiter eskalierenden Chaos und von den lustvoll dargestellten Figuren. Obwohl viele namenhafte Darsteller weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, muss man diesen Film allein wegen der umwerfenden Charlize Theron als knallharte Geschäftsfrau einmal gesehen haben. Wer jedoch am Inhalt des Films keine grossen Ansprüche stellt, kann mit der schwarzhumorigen Komödie seinen Spass haben.Mehr anzeigen


elelcoolr

vor 6 Monaten

Die Geschichte dreht sich um die Formel für eine medizinische Marihuana-Pille. Als Richard (Edgerton) und Elaine (Theron) geschäftlich zum Drogenlabor nach Mexiko reisen um die dortigen Geschäfte für die geplante Fusion zu vertuschen und dabei den zuständigen Bereichsleiter Harold (Oyelowo) mitnehmen, gerät die Situation völlig aus dem Ruder. Harold, der durch ein Missverständnis von der mexikanischen Drogenmafia irrtümlicherweise für den Chef gehalten wird, steht plötzlich zwischen allen Fronten. Die Geschichte um dieses Wirrwarr böte sehr viel Potenzial. Insgesamt fällt die Mischung aus überzeugenden und weniger gelungenen Momenten zu unausgewogen aus. Für eine Komödie zu unlustig, als Drogenfilm zu lahm, für ein Drama zu emotionslos, als Mafiafilm zu nett und für einen Actionfilm zu langweilig.Mehr anzeigen


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